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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Funde  all  der  langen  Wand  bei  Wiener-Neustadt.

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aus  Bronze,  sondern  aus  reinem  Kupfer  bestehen.  Herr  Dr.  Erwin
Freiherr  von  Sommaruga,  welcher  dieselben  zu  untersuchen  die
Güte  hatte,  fand  98-63  Percent  Kupfer;  der  Abgang  ist  auf  die
Kohlensäure  des  Überzuges  und  verunreinigende  Bestandtheile  zu
rechnen,  von  einer  absichtlichen  Beimengung  fand  sich  keine  Spur.
Es  fragt  sich  nun,  ist  dieser  Umstand  als  ein  Zeichen  besonders
hohen  Alters  anzusehen  oder  aus  dem  zufälligen  Abgänge  des  immer
schwer  beizüschaffenden  Zinnes  in  der  Zeit,  da  man  die  Bronzemischung ­
  schon  kannte,  anzusehen.  Mancherlei  Gründe  sprechen  für
das  Letztere.
Es  ist  an  verschiedenen  Orten  die  Ansicht  ausgesprochen  worden, ­
  es  müsse  dem  Gebrauch  der  Bronze  in  unseren  Ländern  ein
eigentliches  Kupfer  alter  vorangegangen  sein,  welches  die  Mischung
des  Erzes  noch  nicht  kannte,  bis  man  Zinn  durch  den  Handel  erhielt,
was  einen  wesentlichen  Fortschritt  in  der  Fabrication  begründete,  da
man  nun  erst  aus  der  härteren,  zum  Gusse  geeigneten  Bronze  feste
Schneidewerkzeuge,  elegante  Schmucksachen  giessen  konnte.  Für
Nord-Amerika  haben  Squier  und  Davis  *)  ein  solches,  lange^dauerndes
Kupferalter  nachgewiesen,  auch  in  Hindostan  wurden  in  der  Provinz
Etaweh  zwischen  dem  Ganges  und  Jumnah  zahlreiche  Kupfergeräthe
gefunden 3 ),  und  von  den  Massageten,  östlich  vom  caspischen  Meere
berichtet  Herodot  (I,  215),  dass  sie  nur  Waffen  aus  Kupfer  und
Geschmeide  aus  Gold  hatten,  die  sie  selbst  verfertigt  zu  haben  scheinen, ­
  da  als  Grund  angeführt  wird,  dass  diese  beiden  Metalle  in  ihrem
Lande  reichlich  vorhanden  waren,  während  Eisen  und  Silber  fehlten.
In  den  meisten  Ländern  aber  kommt  sowohl  reines  Kupfer  als  Bronze
verarbeitet  vor  und  lässt  sich  ein  besonderes  Kupferalter  nicht
bestimmt  nachweisen.  So  verwendeten  die  Ägypter  nicht  nur  zu  ihren
Figuren,  sondern  auch  zu  Werkzeugen  und  Waffen  Bronze,  aber  ein
von  Vauquelin  untersuchter  Dolch  bestand  aus  reinem  Kupfer.  Bei  den
Israeliten  wird  schon  um  1450  v.  Chr.  das  Zinn  erwähnt,  also  etw
300  Jahre,  bevor  die  Phönizier  nach  Britannien  kamen;  im  Sanskrit
kommt  es  unter  dem  Namen  Kastira  vor,  wovon  ohne  Zweifel  die
griechische  Benennung  Kassiteros  stammt.  Homer,  zu  dessen  Zeit

1 )  Ancient  Monuments  in  the  Missisippi  valleys  in  den  Smithsonian  contributions  to
Kuowledge  1848,.!.
2 )  Rafn,  Mem.  de  la  societe  des  antiquaires  du  Nord,  31.  Janv.  1839.
            
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