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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

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v.  Sacken

Die  Sitte  scheint  aber  eine  sehr  ausgebreitete  gewesen  zu  sein,  wie
die  vielen  Goldhracteaten  von  allen  Grössen,  die,  aus  dem  IV.—IX.
Jahrhundert  stammend,  in  Dänemark  gefunden  werden,  bezeugen  ')•
Man  sieht  also,  dass  die  Verdienstmedaillen  und  Decorationen  unserer
Tage  schon  im  Alterthum  gang  und  gäbe  waren.
Auch  die  Dreizahl  der  Buckeln  und  ihre  Stellung  in  einem  aufrechten ­
  Dreiek  dürfte  keine  zufällige  oder  willkürliche  sein,  da  sie
sowohl  bei  unseren  beiden  ,  als  hei  den  drei  slavonisclien  bei  sonstigen ­
  Verschiedenheiten  constant  erscheint.  Die  meisten  Völker,  die
Inder  wie  die  Kelten,  hielten  die  drei  für  eine  geheiligte  Zahl  und  das
Dreieck  war  als  Symbol  der  Flamme  von  mystischer  Bedeutung,  ein
Zeichen  der  schützenden  Kraft 3 ).  Wie  nun  die  Römer  auf  ihren
Plialeris  gewöhnlich  das  Medusenhaupt  oder  den  Löwenkopf  zur  Abwehr ­
  gegen  Unheil,  Zauber  und  Beschädigungen  anbrachten  und  so
dem  Schmuck  eine  amuletartige  Bedeutung  verliehen,  mochte  man
hier  ein  geheiligtes  Symbol  in  gleichem  Sinne  angewendet  und  dem
Rang-  oder  Verdienstzeichen  eine  religiöse  Weihe  aufgedrückt  haben.
Übrigens  finden  wir  auch  andere  Würden  bei  verschiedenen  Völkern
des  Alterthumes  durch  Brustscheiben  bezeichnet;  so  war  eine  tempelförmige, ­
  an  einer  Halskette  getragene  Brustplatte  mit  den  Worten:
„Wahrheit,  Gerechtigkeit“  das  Amtszeichen  des  ägyptischen  Oberrichters; ­
  das  Urim  und  Thumim  des  jüdischen  Oberpriesters,  welches ­
  er  über  dem  Epliod  trug,  bestand  aus  einer  mit  zwölf  Edelsteinen
besetzten  Kapsel.  Die  bosporisclien  Fürsten  trugen  eine  ungefähr
7  Zoll  grosse  goldene  Zierscheibe,  einen  kleinen  Schild  mit  Bildwerk
auf  der  Brust,  wie  das  taurische  Königsgral)  von  Kul-Obo  bezeugt 3 ).
Auch  bei  den  Etruskern  finden  wir  solche  phaleräartige  Scheiben,  unbestimmt, ­
  oh  als  kriegerische  oder  priesterliche  Abzeichen  4).
Besonders  beachtenswerth  ist  bei  dieser  zweiten  Gruppe  von
Fundgegenständen,  dass  alle,  mit  Ausnahme  der  Goldscheiben,  nicht

1)  Atlas  de  l'archeologie  du  Nord.
3 )  Diese  Bedeutung  des  Dreiecks  findet  ihren  Gipfelpunct  in  den  Pyramiden.  Der
Druden-  oder  Druidenfuss,  das  bekannte  Schutzmittel  gegen  böse  Einflüsse,  den
man  unter  anderen  auf  den  Schuhen  der  zu  Autun  gefundenen  Druidenstatuen
sieht,  besteht  aus  einem  aufrechten  und  einem  gestürzten  Dreieck,  in  einander
geschoben.
3 )  Dubois  de  Montpereux,  Voyage  en  Caucase.  Atlas,  Serie  IV,  pl.  20.
4 )  Museum  Etruscum  LXXXII,  4.
            
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