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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Funde  an  der  langen  Wand  bei  Wiener-Neustadt.

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menbog,  hergestellt  wurden;  es  ist  also  eine  Schmiedearbeit,  in  der
viele  primitive  Völker  eine  besondere  Geschicklichkeit  besitzen 1 );
die  Elasticität  wurde  durch  das  Hämmern  noch  vermehrt.
Was  die  Bestimmung  der  beiden  Goldscheiben  anbelangt,  so  ist
kaum  zu  bezweifeln,  dass  sie  als  Brustschmuck  getragen  wurden,
indem  man  sie  entweder  an  einer  doppelten  Schnur  oder  an  Kettchen
um  den  Hals  hing,  oder  auf  einen  Stoff  aufnähte.  Der  Verwendung
als  Schildbuckel  widerspricht  die  Stellung  der  Löcher,  die  in  diesem
Falle  kaum  paarweise  beisammen  und  diametral  gegenüber  stehen
würden.  Gewiss  bildeten  sie  besondere  Rang-  oder  Ehrenzeichen,
worauf  auch  die  der  verschiedenen  Grösse  entsprechenden  Punctreihen
  (bei  der  grösseren  6,  hei  der  kleineren  ä)  hindeuten,  die
wohl  als  Distinctionszeichen  anzusehen  sind.  Ob  sie  als  Belohnung
kriegerischen  Verdienstes  verliehen  wurden,  oder  Abzeichen  von
Häuptlingen  oder  Priestern  waren,  ist  schwer  zu  entscheiden.  Sie
erinnern  auffallend  an  die  Phalerae  der  Römer,  die,  theils  schalenförmig, ­
  mit  einem  Buckel  in  der  Mitte,  theils  mit  erhobenem  Bildwerk
geschmückt,  als  Lohn  für  Waffenthaten  gegeben  wurden,  erstere  für
Tödtung  eines  Feindes  an  Fusskämpfer,  letztere  an  Reiter 2 ).  Derlei
Scheiben  von  Bronze,  Silber  oder  Gold,  bisweilen  fünf,  seihst  sieben
an  der  Zahl,  trug  man  auf  Riemen  befestigt  über  dem  Harnisch  auf
der  Brust s ).  Auch  auf  unteritalischen  Vasenbildern  sieht  man  sie
dargestellt  und  auf  Brustharnischen  sind  manchmal  solche  Buckeln
herausgearbeitet 4 ).  Aus  der  späteren  Kaiserzeit  kommen  dann  grosse,
mit  Öhren  versehene,  also  zum  Tragen  bestimmte  Goldmedaillons  vor,
die  wahrscheinlich  Ehrengeschenke  römischer  Kaiser  an  verdienstvolle ­
  Fürsten  unserer  Länder  waren,  da  sie  gerade  hier,  und  zwar
in  Ungern  und  Siebenbürgen  in  grösserer  Anzahl  gefunden  werden 5 ).

*)  Auch  die  Armringe,  welche  die  Negerslämme  im  Innern  Afrika’s  aus  Eisen  verfertigen, ­
  haben  die  Spiralform.
2 )  Polybius  VI,  39.
8)  Lindenschmit  a.  a.  0.  Hft.  VI,  Taf.  V;  Hft.  IX,  Taf.  VIII.  —  Marquardt,
Röm.  Alterth.  III,  2.  Abth.  S.  440.  —  Jahn,  Die  Lauerstorfer  Phalerä,  Bonn  1860.
4 )  Lindenschmit,  Hft.  III,  Taf.  1,  3.
ö )  Das  k.  k.  Münz-  und  Antikencabinet  besitzt  deren  18,  von  Maximianus  (um  300)
bis  Gratianus  (373),  die  meisten  von  Valens;  der  grösste  hat  118  Ducaten  im
Gewicht.  Nach  Gregor  von  Tours  erhielt  König  Chilperich  von  Tiberius  II.  solche
Medaillen  zuin  Geschenk.  (Hist.  Franc.  VI,  2.)
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