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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

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v.  Sacken

Männerhand  zu  eng  und  dürfte  von  einer  Frau  oder  einem  Kinde  getragen ­
  worden  sein;  er  hat  etwas  mehr  als  zwei  Umgänge,  die
Schnecken  fünf  Windungen.
Ein  ganz  ähnlicher  Ring  befand  sieh  in  einem
Grabe  bei  Kelheim 1 ).  Die  Gallier  und  Briten
trugen  nach  Plinius  (XXXIII,  6)  und  Herodian
(III,  14)  einen  einzigen  Ring  am  Mittelfinger.
Alle  die  bisher  beschriebenen  Gegenstände
bestehen  aus  der  schönsten  Bronze,  von  der  Farbe,
wie  sie  die  reinste,  bleifreie  Mischung  von  90  Perc.
Kupfer  mit  10  Perc.  Zinn  zeigt;  an  einzelnen  rostfreien ­
  Stellen  schimmert  sie  wie  Gold  durch.  Eine
herrliche  dunkelgrüne  Patina  überzieht  alle  so
gleichförmig,  das  die  feinsten  Verzierungen  sichtbar  bleiben  und  die
Oberfläche  glänzend  polirt  erscheint,  ohne  die  mindeste  Unebenheit.
Diese  Schichte  edlen  Rostes  ist  aber  sehr  dünn  (nur  bei  den  Schnecken ­
  der  Fingerringe  ist  sie  mehr  durchgedrungen),  haftet  aber
ausserordentlich  fest  und  besitzt  eine  bedeutende  Härte.  Wahrhafte
Bewunderung  erregt  die  hohe  technische  Vollendung,  mit  der  diese
Gegenstände  ausgeführt  sind,  sowohl  der  meisterhafte  Guss,  dessen
Reinheit  die  mitgegossenen  Ornamente  am  Dolchgriflf  bezeugen,  als  die
saubere,  präzise  Ciselirung.  Wie  schon  bemerkt,  bestand  das  Modell
des  Dolches,  nach  dem  Charakter  der  Arbeit  zu  schliessen,  aus
Wachs;  über  dieses  wurde  die  Form  aus  Lehm  gemacht,  das  Wachs
dann  ausgeschmolzen  und  das  Metall  an  dessen  Stelle  eingegossen,  —
eine  Technik,  die  im  Alterthum  allgemein  war,  auch  hei  den  Griechen
und  Römern,  und  sich  durch  das  ganze  Mittelalter  bis  in  die  neueste
Zeit  erhielt 2 ).  Das  Modell  ging  natürlich  dabei  zu  Grunde  und  man
erhielt  nur  einen  Abguss.  Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  man  von  figuralischen
  antiken  Bildwerken  und  schöneren  Anticaglien  niemals  zwei
nach  demselben  Modelle—  aus  einer  Form  gegossene  Stücke  findet.
Einfachere  Geräthe,  z.  R.  die  bronzenen  Äxte  (Pfahlstäbe,  Celte),

Fig.  7.

’)  Lindenschmit,  a.  a.  0.  Hft.  5,  Taf.  IV.
a )  Benvenuto  Cellini  beschreibt  so  das  Verfahren.  Das  Reiterbild  des  grossen  Churfürsten ­
  in  Berlin  ist  auf  diese  Weise  gegossen,  und  noch  in  den  Zwanzigerjahren
arbeitete  Rigetti  in  Neapel  ebenso.  In  Frankreich  wird  diese  Methode  für  kleinere
(Jegenstände  noch  jetzt  angewendet,  und  heisst  fonte  en  cire  perdue.
            
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