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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 49. Band, (Jahrgang 1865)

Die  Funde  an  der  langen  Wand  bei  Wiener-Neustadt.  121
prächtigen  Schmuck  und  gewährte  zugleich  trefflichen  Schutz  gegen
Hiebe.
Kleiner  ist  das  zweite  Armband,  die  Enden,  welche  wahrscheinlich ­
  ebenfalls  in  Schnecken  ausgingen,  fehlen;  es  hat  einen
Durchmesser  von  2y 2  Zoll;  das  7 1 / 3  Linien  breite  Bronzeband,  ebenfalls ­
  aussen  mit  Grat  und  beiderseits  in  Kehlungen  gegen  die  scharfen
Ränder  verlaufend,  ist  in  mehr  als  vier  Windungen  gebracht,  es
dürften  ursprünglich  fünf  volle  gewesen  sein.
Armringe  ähnlicher  Art,  aber  aus  einem  nur  einmal  herumgehenden, ­
  breiten  Bande,  das  in  Spiralen  endet,  bestellend,  wurden
bei  Saar  1  ouis,  Blödesheim  und  Ludwigshöhe  in  Rheinhessen
gefunden!),  so  wie  in  Pommern  und  Mecklenburg 3 ).  Spiralförmige,
oft  von  bedeutender  Länge,  bis  zu  1  Fuss  und  darüber,  die  einen
grossen  Theil  des  Armes  bedeckten,  sind  namentlich  bei  uns  nicht
selten,  aber  sie  bestehen  meistens  aus  einem  ganz  schmalen,  fast
drahtartigen  Streifen  in  lockeren  Windungen,  welche  Zwischenräume
von  i/ t —i/o  Zoll  lassen  (bis  zu  20  Windungen),  wähend  diese  bei
den  oben  beschriebenen  fest  anschliessen  und  ein  Ganzes  bilden.
Solche  der  letzteren  Art  kamen  an  mehreren  Puncten  Ungerns,  bei
Eck  in  Ober-Österreich  s )  und  in  Böhmen  vor;  ähnliche  bei
Guntersblum  im  Rheinlande,  Meteln  in  Mecklenburg 4 )»  in  den
livischen  Gräbern  von  Ascheraden 5 )  u.  s.  w.
Die  beiden  Fingerringe  erscheinen  als  die  beschriebenen
Armbänder  in  Miniatur,  nur  ist  der  ebenfalls  aussen  kantige  Streifen,
aus  dem  sie  bestehen,  nicht  gekehlt  und  geht  in  einen  runden  Draht
über,  der  die  Schnecken  oben  und  unten  bildet.  Der  eine  macht  nicht
ganz  zwei  Umgänge,  daher  die  Schnecken  nicht  gerade  über  einander
zu  stehen  kommen;  diese  sind  vier  Mal  gewunden  (Fig.  7).  Bei  dem
geringen  Durchmesser  des  Ringes  von  9  Linien  passte  er  nur  für  eine
kleine  Männerhand,  der  zweite  aber,  von  derselben  Form,  mit  nur
7  J / 2  Linien  Durchmesser,  wäre  selbst  für  den  kleinen  Finger  der  feinsten

')  Linden  sch  mit,  a.  n.  0.  Bd.  II,  Hfl  1,  Taf.  II,  I.  —  Bd.  I,  Hfl.  S,  Taf.  IV.
2 )  Ledebur,  königl.  Museen  S.  18,  Taf.  11.  —  Schröter  a.  a.  0.  Taf.  IV.
3 )  Gaisberger,  Archäolog.  Nachlese  im  XXIV.  Jahresberichte  des  Museum
Francisco-Carolinum  zu  Linz,  Taf.  II,  10,  S.  46.
4 )  Friderico-Franeisceum  Taf.  XXI,  7.
°)  Kruse,  Necrolivonica.  Tab.  IV.
            
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