Die Funde an der langen Wand bei Wiener-Neustadt.
119
Unstreitig gehört dieser Dolch zu den schönsten seiner Art; ein
ähnlicher mit acht Nägeln und geradem Griff von 2 3 / 4 Zoll Länge
wurde in einem Hügel (ohne Grah) hei Sierra in Wallis gefunden '),
zwei andere, deren Klingen mit einer Mischung von Blei und Zinn wie
plattirt erscheinen, in einem Grabe am Renzenbühl hei Thun 2 ); fünf,
sehr schöne beisammen (einer mit Silberverzierungen?) bei Gauhöckelheim
in Rheinhessen 3 ); ein anderer hei Neuenheili gen 4 );
ein am Griff mit acht Nägeln versehener zu Malchin in Mecklenburg 5 ).
Im Allgemeinen sind derartige Dolche in Süd-Deutschland und in der
Schweiz weit häutiger (kleinere insbesonders zahlreich im Garda-See)
als im Norden ö ), ihre Form stimmt übrigens ganz mit der des griechischen
Bronzeschwertes überein, und es befinden sich im Musee
d'Artillerie zu Paris zwei ähnliche, mit geradem Hefte, dessen halbmondförmiger
Theil 12 Nieten hat, aus einem grossgriechischen
Grabe von Ruvo; einer von 20 Zoll Länge mit sehr kleinem Griff
wurde in Macedonien gefunden 7 ).
Mit dieser Prachtwaffe zusammen fand man mehrere kleine Gegenstände,
die offenbar dazu gehören, nämlich acht gleiche, halbes-
4 - kugelförmige Buckeln von 9 Linien Durch-(ggg
messer (Fig. 3), sehr dünn gegossen, jede mit
§-8 zwei einander gegenüber stehenden Löchern,
pl| wahrscheinlich zum Durchziehen eines Fadens
JtaP versehen, und zwei kegelförmige von gleicher
Grösse, mit einem Loche auf der Spitze. Es ist zu vermuthen, dass der
Gürtel oder das Wehrgehenk, an welchem der Dolch, der vielleicht
eine Scheide von Holz, Leder oder Bast hatte, hing, mit diesen
Knöpfen besetzt war. In gleicher Weise dürften fünf röhrchenartige
Spiralen (Fig. 4) von ungefähr 1 Zoll Länge ihrer Elasticität und
i ) Bonstetten, Receuil des antiquites Suisses, pl. 1,8.
3 ) Keller, Die alt-helvetischen Waffen und Geräthschaften in der Sammlung- des
Landammans Löhner in Thun, in den Mitth. d. antiq. Gesellsch. in Zürich. Bd. II,
Hft. 7, Taf. II.
3 ) Lin de n sch mit, Die Alterthiimer unserer vaterländ. Vorzeit. Hft. II, Taf. 4.
Ebenda Hft. VI, Taf. II, 2. —Klemm, Culturwissenschaft. I, 156.
а ) Schröter, Friderico Francisceum, III, 1,
б ) Nordiske oldsager fra det kongelige Museum i Kjöbenhavn. Taf. 32, Fig. 142.
7 ) Kein bl e, Horae ferales, Pl. VII, 4. Ein ähnlicher mit acht Nägeln von La Guillotiere
in Frankreich (ebenda Fig. 8) befindet sich im British Museum.