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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Wie  kam  die  Stadt  Villingen  vom  Hause  Fiirslenberg  an  Österreich?  89

entwickelte,  welche  er  hinsichtlich  des  Gerichtsstandes  der  Reichsbürger ­
  befolgt  wissen  wollte.  Es  wird,  ohne  die  Stadt  ViHingen
zu  nennen,  allen  Getreuen  des  Reiches  eröffnet,  dass  sich  der  König
entsinne,  schon  vormals  alle  seine  und  des  Reiches  Bürger  von  auswärtigen ­
  Gerichten  befreit  zu  haben.  Da  sich  das  Original  dieser
Urkunde  im  Archive  der  Stadt  Villingen  befindet,  so  unterliegt  es
wol  kaum  einem  Zweifel,  dass  K.  Rudolf  den  Bürgern  dieser  Stadt
die  genannten  Rechte  als  Reichsbürgern  zukommen  lassen  wollte.
Eine  ausdrückliche  Anerkennung  der  Stadt  als  Reichsstadt  ist  aber
vermieden.  Ein  ganz  ähnliches  Verfahren  beobachtete  die  königliche
Kanzlei  im  Jahre  1282  hinsichtlich  der  Bürger  zu  Freiburg  i.  B.,  wo
ebenfalls  die  Zäringen’sche  Erbschaft  im  Spiele  war 1 ).
An  die  der  Stadt  verliehene,  wichtige  Urkunde  reiht  sich  nun
aber  die  dem  Grafen  Heinrich  von  Fürstenberg  am  19.  August  im
Lager  zu  Marcheck  erlheilte  königliche  Bestätigung  insoferne  an,
als  der  König,  in  Hinsicht  auf  die  Städte  Villingen,  Fürstenberg,
Haslachund  Dornstetten,  die  schon  zuZeiten  des  Herzogs  Berchtold  IV.
von  Zäringen  bestehende  Befreiung  von  auswärtigen  Gerichten
anerkennt 2 ).
Es  heisst  daselbst:  Supplicante  itaque  nostre  majestatis  culmini
nohili  viro  Heinrico  comite  de  Vürstenberg  nostro  consanguineo  imperii
  fidelissimo,  vt,  cum  Vilingen,  Vürstenberg,  Haselach  et  Dornesteten ­
  et  alia  sua  oppida  quecunque,  patris  sui  ac  ...  ducis  de  Zeringen
  aliorumque  progenitorum  suorum,  qui  eadem  legitime  possiderunt
et  predecessorum  nostrorum  imperatorum  et  regum  Romanorum  illustrium
  indulto,  tali  gavise  fuerint  libertate  seu  immunitate,  quod
nemo  ciuium  oppidorum  predictorum  utriusque  sexus  extra  oppidum
suum  potuit  vel  dehuit  coram  aliquo  judice  extraneo  conueniri  .  .  .

*)  Urk.  Worms  1282,  10.  Nov.  Schreiber,  Urkundenb.  der  Stadt  Freiburg  1,  97.
Die  Stadt  wird  zwar  nicht  als  Reichsstadt  bezeichnet,  soll  aber  aller  Gnaden
und  Freiheiten  theilhaftig  sein  „quibus  civitas  Columbariensis  et  alie  nostre  et
imperii  civitates  gaudere  noscuntur.“
2 )  Böhmer,  Reg.  Rud.  4ö8.  Zu  den  daselbst  aufgeführten  Abdrücken  kommt  noch:
(Wegelin’s)  Bericht  von  der  Landvogtei  in  Schwaben  2U3.  Das  f.  Fürstenb.
Archiv  besass  nie  eine  Ausfertigung  dieser  Urkunde.  Dagegen  habe  ich  im  Archive
zu  Villingen  dieselbe  in  zwei  wohlerhaltenen,  besiegelten  Originalen  eingesehen.
Ich  bemerkte  einige  kleine  Abweichungen  in  der  Schreibweise.  Schöpflin's
Abdruck  ist  nach  einer  Abschrift  des  f.  Fürstenb.  Arch.  gefertigt.
            
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