Geschichte Joseph’s in Aegypten.
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des Originals zwar richtig lasen, aber bei der Langsamkeit, mit welcher
das Abschreiben geschehen konnte, dieselben im Gedächtnisse oft in
einfache Prosa auflüsen mochten. Zu dieser Vermuthung berechtigt
der Umstand, dass viele Verse durch blosse Umstellung der Worte
berichtigt werden können. Geschieht es nun noch, dass die fehlenden
Stellen von dem Corrector zwar am äussersteu Rande des Felles nachgetragen,
aber im Texte nicht verbessert, sondern wie es bei der Vorauer
Handschrift (vergleiche zu 574) der Fall ist, vom Buchbinder
ganz oder zum Theile weggeschnitten wurden, so ist es natürlich,
dass wir diese alten Dichtungen in einem verderbten Zustande überkommen
haben, welcher den Kritiker und Herausgeber in Verzweiflung
setzen muss. Einerseits soll er die Überlieferung möglichst
heilig halten und nicht antasten, andererseits ist aber das Verderbniss
wahrscheinlich oder liegt offen am Tage, und doch findet er bei der
grossen Freiheit, die in den Versen und Reimen dieser Zeit herrscht,
keinen nur halbwegs sicheren Anhaltspunct zur Verbesserung, denn
bald hat ein Vers blos zwei, bald wieder fünf, ja sechs Hebungen,
und die Reime geben oft weit über Otfrid’s Gebrauch. Dennoch darf
man nur da, wo diese alle Grenzen des Möglichen übersteigen, der Vers
zu kurz oder zu lang und nebstdem der Sinn mangelhaft ist, mit völliger
Sicherheit auf eine verderbte Überlieferung schliessen. Desshalb habe
ich es vermieden im Texte viel zu ändern und nur da, wo derselbe
gar keinen oder einen völlig ungenügenden Sinn gewährte, etwas
nachzuhelfen gesucht; desto freier bewegte ich mich jedoch in den
Anmerkungen, und bin weit entfernt, all’ die angedeuteten Verbesserungen
für unbedingt nothwendig zu halten, was auch ihre Fassung
zeigt. Sie sollen oft nur darthun, mit welcher Sorglosigkeit für die
Form die damaligen Dichter verfuhren, wie leicht sich oft ein besserer
Vers oder Reim ergeben hätte, und wie leicht es überhaupt wäre, das
ganze Gedicht in solche zu bringen, oft mit viel minderer Freiheit,
als es vom Umarbeiter der Milstäter Handschrift geschehen; allein
eben dadurch hätte dasselbe das bezeichnendste Merkmal seines hohen
Alters vielfach eingebiisst und die Verlässlichkeit als Urtext verloren.
Auffallend, ja fast unerklärlich bleibt die Erscheinung, dass meistens
der Anfang der Dichtungen an den gerügten Unebenheiten leidet,
während tiefer in die Mitte hinein dieselben immer seltener werden. Ja
schon mit dem Segen Jakob’s, vergleiche 931 ff, werden hier z. B. Vers
und Reim bedeutend besser, und wenn man vollends den Exodus in