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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Geschichte  Joseph’s  in  Aegypten.

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des  Originals  zwar  richtig  lasen,  aber  bei  der  Langsamkeit,  mit  welcher
das  Abschreiben  geschehen  konnte,  dieselben  im  Gedächtnisse  oft  in
einfache  Prosa  auflüsen  mochten.  Zu  dieser  Vermuthung  berechtigt
der  Umstand,  dass  viele  Verse  durch  blosse  Umstellung  der  Worte
berichtigt  werden  können.  Geschieht  es  nun  noch,  dass  die  fehlenden
Stellen  von  dem  Corrector  zwar  am  äussersteu  Rande  des  Felles  nachgetragen, ­
  aber  im  Texte  nicht  verbessert,  sondern  wie  es  bei  der  Vorauer
  Handschrift  (vergleiche  zu  574)  der  Fall  ist,  vom  Buchbinder
ganz  oder  zum  Theile  weggeschnitten  wurden,  so  ist  es  natürlich,
dass  wir  diese  alten  Dichtungen  in  einem  verderbten  Zustande  überkommen ­
  haben,  welcher  den  Kritiker  und  Herausgeber  in  Verzweiflung ­
  setzen  muss.  Einerseits  soll  er  die  Überlieferung  möglichst
heilig  halten  und  nicht  antasten,  andererseits  ist  aber  das  Verderbniss
  wahrscheinlich  oder  liegt  offen  am  Tage,  und  doch  findet  er  bei  der
grossen  Freiheit,  die  in  den  Versen  und  Reimen  dieser  Zeit  herrscht,
keinen  nur  halbwegs  sicheren  Anhaltspunct  zur  Verbesserung,  denn
bald  hat  ein  Vers  blos  zwei,  bald  wieder  fünf,  ja  sechs  Hebungen,
und  die  Reime  geben  oft  weit  über  Otfrid’s  Gebrauch.  Dennoch  darf
man  nur  da,  wo  diese  alle  Grenzen  des  Möglichen  übersteigen,  der  Vers
zu  kurz  oder  zu  lang  und  nebstdem  der  Sinn  mangelhaft  ist,  mit  völliger
Sicherheit  auf  eine  verderbte  Überlieferung  schliessen.  Desshalb  habe
ich  es  vermieden  im  Texte  viel  zu  ändern  und  nur  da,  wo  derselbe
gar  keinen  oder  einen  völlig  ungenügenden  Sinn  gewährte,  etwas
nachzuhelfen  gesucht;  desto  freier  bewegte  ich  mich  jedoch  in  den
Anmerkungen,  und  bin  weit  entfernt,  all’  die  angedeuteten  Verbesserungen ­
  für  unbedingt  nothwendig  zu  halten,  was  auch  ihre  Fassung
zeigt.  Sie  sollen  oft  nur  darthun,  mit  welcher  Sorglosigkeit  für  die
Form  die  damaligen  Dichter  verfuhren,  wie  leicht  sich  oft  ein  besserer
Vers  oder  Reim  ergeben  hätte,  und  wie  leicht  es  überhaupt  wäre,  das
ganze  Gedicht  in  solche  zu  bringen,  oft  mit  viel  minderer  Freiheit,
als  es  vom  Umarbeiter  der  Milstäter  Handschrift  geschehen;  allein
eben  dadurch  hätte  dasselbe  das  bezeichnendste  Merkmal  seines  hohen
Alters  vielfach  eingebiisst  und  die  Verlässlichkeit  als  Urtext  verloren.
Auffallend,  ja  fast  unerklärlich  bleibt  die  Erscheinung,  dass  meistens ­
  der  Anfang  der  Dichtungen  an  den  gerügten  Unebenheiten  leidet,
während  tiefer  in  die  Mitte  hinein  dieselben  immer  seltener  werden.  Ja
schon  mit  dem  Segen  Jakob’s,  vergleiche  931  ff,  werden  hier  z.  B.  Vers
und  Reim  bedeutend  besser,  und  wenn  man  vollends  den  Exodus  in
            
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