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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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J.  Diemer

enthielt.  Schon  der  Abschreiber  dieser  unbekannten  Handschrift  X
musste  also,  wie  dies  so  häufig  geschah,  einzelne  Wörter,  ja  oft  ganze
Verse  ausgelassen  haben,  wodurch  der  Sinn  gestört,  der  Vers  unvollständig, ­
  der  echte  Reim  beseitigt  wurde.  Beide  Schreiber  oder  Bearbeiter ­
  von  V  und  W  suchten  dann,  jeder  nach  seiner  Art  und  je
nach  ihrem  Verständnisse  diesen  Mängeln  wieder  abzuhelfen  oder
auch  nicht,  und  daher  kommt  es  sehr  häufig,  dass  wir  bald  zu  kurze,
bald  übermässig  lange  Verse  finden,  oder  dass  die  Reime  oft  über  alles
Maass  des  Erlaubten  selbst  für  diese  alte  Zeit  hinaus  gehen.  Auch
geschah  es  sehr  häufig  dass  sie  bei  dieser  Arbeit  die  alten  Reime  oder
alte  Worte,  deren  Bedeutung  zu  ihrer  Zeit  nicht  mehr  recht  klar
oder  die  nicht  mehr  gewöhnlich  waren,  durch  neuere  ersetzten  und
so  den  Sinn  trübten  oder  abschwächten.  Dass  ein  grosser  Tlieil  der
Mängel  in  Vers  und  Reim,  namentlich  in  den  geistlichen  Dichtungen
dieser  alten  Zeit  theils  von  der  Ungenauigkeit  der  Abschreiber,  tlieils
von  dem  obigen  Verfahren  herrühre  und  nicht  immer  dem  Verfasserzur
Last  gelegt  werden  dürfe,  zeigt  in  auffallender  Weise  die  Vorauer
Handschrift  und  insbesondere  dieser  Tlieil  derselben,  welcher  mit  der
Wiener  verglichen  werden  kann.  Mehr  als  30  Fälle  begegnen  uns
da,  wo  ihr  Schreiber  mehr  oder  minder  aus  seiner  Vorlage  wegliess,
was  nun  aus  Wergänzt  werden  konnte,  z.  B.  37,  38,  49,  99,  113,
305,  434,  569,  665,  682,  895,  926,  1241,  1244,  1249.  Aelinliches,
obwohl  nicht  so  häufig,  that  aber  auch  der  Schreiber  von  W,  so  dass
auch  Vieles  wieder  aus  V  berichtigt  werden  muss.  Der  am  meisten ­
  vorkommende  Fall  ist  der,  dass  sich  das  Auge  des  Abschreibers
von  einem  oder  mehreren  voranstehenden  Wörtern  oder  sehr  häufig
Reimen  auf  die  später  folgenden  gleichartigen  verirrte  und  so  das
dazwischen  Liegende  iibersali.  Dies  geschah  in  den  Verszeilen  80,
597,  515—517,  573,  653,  700,828,  848,  989,  1066,  1074,  1082,
1107,  1217,  1233.  Auch  im  Leben  Jesu  der  Ava,  wo  mittelst  des
jüngeren  Textes  der  Fundgruben  eine  Vergleichung  möglich  ist,  zeigen
sich  viele  solche  Beispiele,  wie  235,  8.  635,  16.  240,  23.  242,
26.  244,  10.  245,  23.  247,  10.  248,  11.  254,  24.  264,  7.  279,  20.
287,  1.  289,  3.  290,  22.291,  12.  Berücksichtigt  man  das  ungemein
grosse  Format  der  Vorauer  Handschrift  und  ein  vielleicht  nicht  viel
kleineres  der  Vorlage  des  Schreibers,  so  wird  man  derlei  Versehen
in  der'Abschrift  selbst  hei  seinem  besten  Willen  begreiflich  finden.
Dazu  kommt  noch  der  nicht  seltene  Fall,  dass  die  Schreiber  die  Verse
            
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