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J. Diemer
enthielt. Schon der Abschreiber dieser unbekannten Handschrift X
musste also, wie dies so häufig geschah, einzelne Wörter, ja oft ganze
Verse ausgelassen haben, wodurch der Sinn gestört, der Vers unvollständig,
der echte Reim beseitigt wurde. Beide Schreiber oder Bearbeiter
von V und W suchten dann, jeder nach seiner Art und je
nach ihrem Verständnisse diesen Mängeln wieder abzuhelfen oder
auch nicht, und daher kommt es sehr häufig, dass wir bald zu kurze,
bald übermässig lange Verse finden, oder dass die Reime oft über alles
Maass des Erlaubten selbst für diese alte Zeit hinaus gehen. Auch
geschah es sehr häufig dass sie bei dieser Arbeit die alten Reime oder
alte Worte, deren Bedeutung zu ihrer Zeit nicht mehr recht klar
oder die nicht mehr gewöhnlich waren, durch neuere ersetzten und
so den Sinn trübten oder abschwächten. Dass ein grosser Tlieil der
Mängel in Vers und Reim, namentlich in den geistlichen Dichtungen
dieser alten Zeit theils von der Ungenauigkeit der Abschreiber, tlieils
von dem obigen Verfahren herrühre und nicht immer dem Verfasserzur
Last gelegt werden dürfe, zeigt in auffallender Weise die Vorauer
Handschrift und insbesondere dieser Tlieil derselben, welcher mit der
Wiener verglichen werden kann. Mehr als 30 Fälle begegnen uns
da, wo ihr Schreiber mehr oder minder aus seiner Vorlage wegliess,
was nun aus Wergänzt werden konnte, z. B. 37, 38, 49, 99, 113,
305, 434, 569, 665, 682, 895, 926, 1241, 1244, 1249. Aelinliches,
obwohl nicht so häufig, that aber auch der Schreiber von W, so dass
auch Vieles wieder aus V berichtigt werden muss. Der am meisten
vorkommende Fall ist der, dass sich das Auge des Abschreibers
von einem oder mehreren voranstehenden Wörtern oder sehr häufig
Reimen auf die später folgenden gleichartigen verirrte und so das
dazwischen Liegende iibersali. Dies geschah in den Verszeilen 80,
597, 515—517, 573, 653, 700,828, 848, 989, 1066, 1074, 1082,
1107, 1217, 1233. Auch im Leben Jesu der Ava, wo mittelst des
jüngeren Textes der Fundgruben eine Vergleichung möglich ist, zeigen
sich viele solche Beispiele, wie 235, 8. 635, 16. 240, 23. 242,
26. 244, 10. 245, 23. 247, 10. 248, 11. 254, 24. 264, 7. 279, 20.
287, 1. 289, 3. 290, 22.291, 12. Berücksichtigt man das ungemein
grosse Format der Vorauer Handschrift und ein vielleicht nicht viel
kleineres der Vorlage des Schreibers, so wird man derlei Versehen
in der'Abschrift selbst hei seinem besten Willen begreiflich finden.
Dazu kommt noch der nicht seltene Fall, dass die Schreiber die Verse