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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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J.  Di  emer

vestenote  sinen  muot;  er  hete  sich  nü  verkennen  Kindh.  des.  Hahn
70,  63.  und  Kaisercli.  D.  53,  10.
601  —  602.  Diese  Verse  sind  wohl  schlecht  überliefert,  wente  und  liute
reimen  nicht  gut,  mich  ist  der  letzte  Vers  viel  zu  lang.  Wahrscheinlich ­
  ist  wieder  ein  Vers  ausgelassen.  Folgende  Ergänzung  dürfte
genügen:  Er  sazze  sunder,  sunder  sine  brnoder,  iedoh  nähen
bi  ze  siner  hende;  zeiner  anderen  wende  säzen  di  lantliute,  wandez
widerzäme  duhte,  äzen  der  Juden  diete  mit  den  heidenisken  liuten.
604.11.  ff.  DieseVerse  scheinen  verderbt.  Man  könnte  lesen,wie  ich  zum  Tlieil
schon  in  den  Text  setzte:  Näh  ir  alter  si  säzen,  sunderbäre  si
äzen:  Rüben  der  altiste  an  dem  sedele  lieriste,  Benjamin  der
minniste  z’aller  nideriste.  Si  teilten  daz  prot  also  der  wirt  gebot;
da  wart  daz  meiste  deme  nideristen,  Benjamin  vinf  teile  mere.
608.  si  äzen  unde  trunchen  unze  si  mailten  screkken.  Die  bezügliche
Bibelstelle  Mos.  1.43,  44  lautet:  Biberuntque  et  inebriati  sunt  cum
eo.  Die  zunächst  liegende  Verbesserung  des  Reimes  wäre  unze  si
wurden  trunchen,  ein  rührender  Reim.  Der  Vf.  sucht  aber  diesen  zu
vermeiden  oder  den  Ausdruck  der  Bibel  auf  die  obige  Art  zu  mildern,
indem  er  sagt:  sie  assen  und  tranken,  bis  sie  freudig  aufsprangen,
oder  fast  ausgelassen  lustig,  froh  wurden.  Das  Wort  screchen,
heisst  nämlich  nebst  springen,  auf  springen,  tanzen,  vgl.  Gr  aff  6,
573.  mhd.  Wtb.  II.  2,  211  noch  lascivire,  exultare;  in  diesem
Sinne  steht  es  auch  in  den  Windb.  Psalmen  bei  Graff  S.  24  ich
wirdo  gefrowit  unde  screcho  exultabo  in  dir  (frohlocke  in  dir)  ;
vgl.  nochS.  115.  146.  178.  214.  454.  wo  exultare  in  den  Windb.
Psalmen  mit  screchen,  in  d.  Trier.  Psalm,  ausdrücklich  mit  menden
übersetzt  wird.  Dem  Umarbeiter  von  W.  lag  daran,  einen  bessern
Reim  zu  gewinnen,  wesshalb  er  und  mit  ihm  K.  dafür  scranken  setzte,
was  ihan  allenfalls  mit  'hin  und  her  wanken,  taumeln  übersetzen
kann,  vgl.  hierüber  Genes,  und  Exod.  D.  zu  95,  9  und  Glossar,
und  was  keineswegs  so  gut  ist,  als  das  ursprüngliche  screchen.  Nach
mild.  Reimlehre  sind  jedoch  beide  Reime  unzulässig,  da  würde  eher
hunchen  passen,  etwa  si  äzen  unde  trunchen,  unz  in  die  zungen
hunchen,  nach  Waith.  29,  36  diu  zunge  hinket  von  win;  oder
Stricker’s  kl.  G.  Hahn  V,  7  do  si  des  so  vil  getrunken  daz  in  die
zungen  hunken;  oder  so  well  wir  trincken  daz  hincken  die  zungen
Altd.  Bll.  2,  314.  allein  diess  wäre  viel  zu  unedel.
            
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