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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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v.  Sacken

Wenn  auch  im  allgemeinen  und  grossen  die  Terrassenformation
des  Beckens  und  die  Umgrenzung  durch  Endmoränen  von  Gletschern
auf  ein  Znrücktreten  des  Sees  schliessen  lässt,  welches  auch  der
18  Fass  höher  liegende  Laghetto  bezeugt,  so  gilt  dies  doch  nur  von
sehr  entfernten  Zeiträumen,  die  hier  nicht  in  Betracht  kommen.
Reste  von  Oberbauten  unter  dem  gegenwärtigen  Niveau  deuten
darauf  hin,  dass  der  durchschnittliche  Wasserstand  in  früheren
Jahrhunderten  ein  tieferer  war,  denn  sonst  wären  die  damaligen
Bauwerke  einen  geraumen  Theil  des  Jahres  unter  Wasser  gestanden.
Die  allmälige  Hebung  mag  theils  in  einer  durch  die  massenhaften
Bauten  bewirkten  Stauung  des  Wassers,  theils  in  der  Zuführung
grosser  Geröllsmassen  durch  die  Torrenten,  besonders  von  dem
wilden,  steinigen  Monte  Baldo  und  aus  dem  Felsenlabyrinthe  der
Sarca  ihre  Erklärung  finden.
Der  Wasserstand  des  Sees  ist  übrigens  kein  constanter,  sondern
periodischen  und  beträchtlichen  Schwankungen  unterworfen,  indem
zweimal  im  Jahre,  im  Sommer  zur  Zeit  der  Schnee-  und  Gletscherschmelze ­
  im  Hochgebirge  und  im  Spätherbst  nach  den  grossen  hier
herrschenden  Regengüssen  sich  der  Wasserstand  bedeutend  hebt,
und  zwar  in  den  einzelnen  Jahren  in  sehr  ungleicher  Weise,  indem
nicht  selten  abnorme  Höhen  Vorkommen  i).  Nach  den  Beobachtungen ­
  von  14  Jahren  beträgt  die  Schwankung  von  2  Fuss  unter  Null
(März  1849),  bis  4  Fuss  ober  Null  (Juli  1856),  es  ergibt  sich
also  eine  Differenz  von  6  Fuss.  Aus  diesen  Veränderungen  des
Wasserstandes,  die  analög  auch  bei  anderen  Seen  stattfinden  werden, ­
  lassen  sich  vielleicht  die  bei  einigen  Pfahlbauten  beobachteten
mehrfach  über  einander  hergestellten  Fussböden  erklären,  indem
die  Ansiedler,  die  bei  einem  bestimmten  Wasserstande  die  Wohnungen ­
  angelegt  hatten,  beim  Steigen  des  Wassers  gezwungen
waren,  sie  höher  zu  legen.
Überblicken  wir  nun  die  gesaminten  bisherigen  Ergebnisse,  so
erscheint  es  kaum  mehr  zweifelhaft,  dass  wir  es  hier  mit  einem
Pfall  1  bau  der  Bronzeperiode,  einer  Ansiedlung  der  keltischen
Cenomanen  im  See  selbst  zu  thun  haben.  Wir  finden  zahlreiche
senkrechte  Pfähle,  die  immer  isolirt  im  Wasser  standen  und  zwischen

1)  Der  10  Stunden  lange  See  ist  oft  von  Sturmen  bewegt  und  geht  dann  sehr  hoch;
Virgil  sagt  von  ihm  (tieorg.  II,  160)  „Kluetibns  et  frcmitu  udsurgens  Benace  marino“.
            
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