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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.

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in  alten  Zeiten  den  elementaren  Einflüssen  entzogen  wurde.  Diese
Veränderungen  erklären  sich  aus  der  Natur  der  Verhältnisse.  Bei
der  Verflachung  des  ausgedehnten  Sees  und  bei  der  Strömung  nach
dieser  Richtung  muss  hier  eine  Tendenz  zur  Ablagerung  aller  festen
Stoffe  stattfinden,  wodurch  die  Inselbildurig  stets  gefördert  wird,
da  die  anderwärts  von  den  Wellen  abgespülten  Stoffe,  wenn  einmal
eine  Stauung  durch  sanfte  Erhebungen,  welche  die  Kraft  der  Wellen ­
  brechen,  eiritritt,  um  so  sicherer  gefällt  werden.  Bei  fortgesetzter ­
  Wirkung  muss  das  Ufer  eine  immer  grössere  seeseitige  Zunahme ­
  erfahren,  und  wir  sehen  in  der  That  die  ehemaligen  Inseln
zum  grössten  Theil  in  festes  Land  verwandelt;  bei  ungehinderter
Naturwirkung  könnte  sonach  die  Pfahlstelle  einmal  trocken  werden  i).
Das  Festland  ist  also  gegenwärtig  eher  weiter  hinaus  als  herein
gerückt  und  es  ist  sonach  kaum  zu  bezweifeln,  dass  die  Pfahlstelle
von  jeher  mit  Wasser  überfluthet  und  ursprünglich  weiter  vom
Ufer  entfernt  war  als  jetzt;  die  Entfernung  vom  östlichen  Ufer  mag
bei  SO  Klafter  betragen  haben  (da  man  e  d  a  mit  ziemlicher  Sicherheit ­
  als  Grenze  nach  dieser  Richtung  annehmen  kann),  die  vom
westlichen  lässt  sich  noch  nicht  angeben.
Die  Lage  der  alten  Bauwerke  ist  insoferne  für  die  Grenze  des
Festlandes  massgebend,  als  sie  gewiss  so  weit  als  möglich  mit  ihren
Umfassungsmauern  gegen  den  See  vorgeschoben  wurden,  um  dadurch ­
  das  Wasser  als  natürliche  Abwehr  zu  gewinnen,  ja  in  den
See  hinausgebaut  wurden,  um  eine  copstante  Wassertiefe  zu  gewinnen; ­
  und  doch  erreichten  weder  die  ältesten,  noch  die  von  den
Venetianern  loOO—15ol  erbauten,  noch  die  neuen  Werke  die
Grenze  der  Pfählstelle.
Es  ist  aber  noch  ein  anderer  Factor  zu  berücksichtigen,  nämlich ­
  der  Wasserstand  der  Gegenwart  in  Vergleich  zu  dem  einstmaligen. ­
  Aus  verschiedenen  Umständen  lässt  sich  vermuthen,  dass
er  sich  im  Laufe  der  historischen  Zeit  etwas  gehoben  habe.  Hieraus
dürfte  es  sich  auch  erklären,  dass  die  Pfähle  in  einer  so  bedeutenden ­
  Tiefe  (5—7  Fuss)  unter  dem  gegenwärtigen  Wasserspiegel
angetroffen  werden.

*)  Auch  bei  anderen  Seen  sind  ähnliche  Erscheinungen  zu  beobachten:  so  haben  die
Ufer  des  tienfer-Sees  ihre  Gestalt  durch  die  Anschwemmungen  der  Rhone  wesentlich ­
  geändert  und  bei  Port  Valois  soll  das  Land  seit  den  Zeiten  der  Römer  um  eine
halbe  Meile  hinausgerückt  sein.
            
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