Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

330

v.  Sacken

eine  Vewirrung  der  Verhältnisse  eingetreten  sein  kann,  eine  Altersbestimmung ­
  für  die  ganze  Masse  gründen  zu  wollen;  indess  kann
dieser  Fall  im  Zusammenhang  mit  anderen  Bedeutung  erhalten.
Gegen  die  Gleichzeitigkeit  spricht  wohl  auch  der  Umstand,  dass
die  Münze  aus  römischer  Legirung  mit  Zink  besteht,  während  die
Geräthe  keine  Spur  von  diesem  Metalle  enthalten.
Es  entsteht  nun  die  Frage,  ob  die  dem  Garda-See  enthobenen
Culturreste  von  einer  isolirt  in  den  See  hinein  gebauten  Ansiedlung ­
  oder  einem  mit  Piloten  versehenen  Uferbau  herrühren,  ob  die
Fundstelle  schon  in  der  ältesten  historischen  Zeit  mit  Wasser  überfluthet
  war  oder  ob  dies  erst  später  geschah.
Zur  Beantwortung  dieser  Frage  müssen  die  Terrain-Verhältnisse ­
  in  Betracht  gezogen  werden.  Diese  sind  von  eigenthümlicher
Art.  Hier  am  Ausfluss  des  grossen  Sees  dürfte  ein  beständiger  Kampf
zwischen  Wasser  und  Land  stattgefunden  haben  und  es  lassen  sich
die  Verhältnisse,  die  ehemals  bestanden,  nach  Analogie  der  in  den
letzten  Jahrhunderten  beobachteten  ziemlich  klar  nachweisen 1 ).
Man  kann  wohl  mit  Bestimmtheit  annehmen,  dass  die  Landtheile,
  auf  denen  das  heutige  Peschiera  steht,  in  früheren  Zeiten
zumeist  Inseln  waren.  Die  beiden  Festungsgräben  ABC  und  LMN
sind  künstlich  hergestellte  Ausflüsse,  zwischen  denen  die  natürlichen ­
  zu  suchen  sind.  Verschiedene  sehr  alte,  vielleicht  noch  spät
römische  Baureste,  die  zum  Theil  von  den  späteren  Festungswerken
unter  den  Scaligeri  im  14.  Jahrhundert  und  neuerer  Zeit  überbaut
wurden,  geben  manche  wichtige  Anhaltspunete,  indem  sie  hie  und
da  das  alte  Ufer  bezeichnen.  Die  punctirten  Linien  auf  dem  Plane
geben  den  wahrscheinlichen  Umriss  des  ehemaligen  Festlandes.  Es
scheinen  von  jeher  zwei  Hauptausflüsse  gewesen  zu  sein,  von  denen
der  noch  jetzt  bestehende,  der  Mincio,  der  bedeutendere  war;  sein
Südufer  mit  einer  Erhebung  von  8  —  15  Fuss  war  der  Inselbildurig
weniger  günstig,  dagegen  der  Arm  an  der  nordöstlichen  sumpfigen
Küste  ein  fortwährendes  Schwanken  in  dem  Verhältniss  zwischen
Wasser  und  Land  bedingte.  Bis  in  die  Gegenwart  lässt  sich  hier
die  wuchernde  Inselbildung  verfolgen  und  wird  durch  Vergleichung
der  alten  Pläne  von  1696  und  1713  mit  dem  gegenwärtigen  Bestände
ersichtlich,  während  der  Hauptarm  durch  massige  Uferbauten  schon

i)  Die  folgende  Darlegung  beruht  auf  den  Angaben  des  Hin.  Hauptmann’s  J.  Kostersitz.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.