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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Ganla-See.

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aufgewendet  haben,  sondern  mehr  fabriksmässig  zu  Werke  gegangen
sein.  Die  Meissei,  genau  von  der  Form  unserer  Bildhauermeissei,
und  die  Steinbohrer  deuten  darauf  hin,  dass  man  sich  auf  die  feinere ­
  Bearbeitung  des  Steines  verstand.
In  Bezug  auf  die  Zeitbestimmung,  die  für  die  ganze  Bronzeperiode ­
  noch  so  vag  ist,  dass  die  abweichendsten  Ansichten,  die  um
viele  Jahrhunderte  differiren,  aufgestellt  werden,  ist  hierein  besonderer ­
  Umstand  zu  bemerken,  den  ich  darstelle,  wie  er  mir  bekannt
wurde  und  der  allerdings  zu  grosser  Vorsicht  auffordert,  um  so  mehr,
als  er,  wenn  er  sich  wirklich  genau  so  verhält,  eine  völlige  Revolution ­
  in  die  bisherigen  Anschauungen  zu  bringen  geeignet  wäre.
Unter  den  von  Oberstlieutenant  Freiherrn  von  Türk  heim
dem  k.  k.  Antikencabinete  geschenkten  Bronzen  befand  sich  nämlich ­
  auch  folgende  Münze  von  Kaiser  Trajan:  Av.  IMP.  CAES
NERVATRAIAN  AVG  GERM  P.  M.  Kopf.  —  Rev.  TR  POT  COSIII  P.P.-S-C
Victoria  schwebend,  den  Schild  mit  SPQR  in  der  Hand,  iE,  2;  sie
stammt  sonach  genau  aus  dem  Jahre  100  unserer  Zeitrechnung.
Natürlich  kann  sie  nur  dann  möglicherweise  Beweiskraft  für  die
Gleichzeitigkeit  mit  den  Bronzealterthümern  haben,  wenn  sie  mit
diesen  in  derselben  mit  Sand  bedeckten  Schichte,  nämlich  im
unteren  Theile  des  Moderlagers,  genau  unter  den  gleichen  Verhältnissen ­
  gefunden  wurde,  und  ich  wandte  mich  desshalb  an  Herrn
Ingenieur  Lorenz,  der  den  Fund  gemacht,  um  Auskunft.  Dieser
schreibt  darüber,  dass  die  Münze  von  ihm  selbst  an  der  Stelle  abcg
„unter  anderen  Gegenständen  in  der  Torfschicht  gefunden  wurde,
so  dass  kein  Zweifel  obwalten  könne,  dass  die  Gegenstände  mit
dieser  Münze  ein  gleiches  Alter  haben“.  Eine  zweite  Bronzemünze
von  Domitian  fand  sich  weiter  draussen  im  See  im  Sande,  entscheidet ­
  somit  nichts.  Die  Bronzealterthiimer  reichten  nach  diesem  Ergebnis ­
  mindestens  bis  in  den  Anfang  des  2.  Jahrhunderts  herab.
Es  sprechen  wohl  auch  sonst  manche  Umstände  dafür,  dass  das
Alter  der  Bronzeperiode  häufig  viel  zu  hoch  gegriffen  werde  und
dass  diese,  freilich  nicht  ausschliesslich  mit  Erzgeräthen,  sondern
mit  Eisen  vermischt,  aber  in  den  hergebrachten  Formen,  bis  in  die
Zeit  der  römischen  Occupationen,  ja  so  lange  dauerte,  bis  die  germanischen ­
  Stämme  neue  Elemente,  einen  andern  Styl  und  veränderte
Geschmacksrichtung  in  die  Erzeugnisse  brachten;  allein  es  wäre
doch  zu  gewagt,  auf  obigen  vereinzelten  Fund,  bei  dem  immerhin
            
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