328
v. Sack e n
am Laeus Benacus (Garda-See) wohnte, war ein keltisches, die
Gen oman n i, ein Stamm der Aulerci, eines der vornehmsten gallischen
Völker. Die Cenomanni unter Clitovius gehörten zu den zweiten
der fünf keltischen Wanderungen, von denen Polybius (II, 17)
berichtet; sie Hessen sich gegen Ende des 6. Jahrhunderts vor
Chr. bleibend in Italien nieder (Livius V, 35, Plinius III, 19) wo
sie zwischen den mächtigen Insubrern und den Venetern wohnten.
Mit ersteren lebten sie in beständiger Feindschaft und waren nebst
den Venetern stets Freunde und Bundesgenossen der Römer
(Polyb. II, 23, 32); ja im Kriege gegen Hannibal waren sie das
einzige gallische Volk, das bei ihrer Partei blieb (Liv. XXI, 5S);
allmälig wurden sie ganz romanisirt.
Da die Bronzesachen mit denen übereinstimmen, die in den
meisten von Kelten bewohnten Ländern gefunden werden, so müssen
sie diesem Volke der Cenomanni zugeschrieben werden, wenn
man nicht die von Livius als ältere Bewohner dieser Gegend genannten
Libui, ein sonst ganz dunkles gallisches Volk, dafür annehmen
will. Die einheimische Fabrication erscheint um so wahrscheinlicher,
wenn man erwägt, dass hier in ältester Zeit etruskische
Stämme wohnten (Polyb. II, 17) i), die sich wohl bei den Einwanderungen
der Kelten in die Berge zurückzogen, aber gewiss auch
zum Tlieil mit den Ankömmlingen mischten.
Wie dem auch sei, jedenfalls stellt sich uns das Volk, welches
sich dieser Gegenstände bediente, als ein Agricullurvolk auf ziemlich
entwickelter Culturstufe dar. Die Mannigfaltigkeit und Feinheit
der Werkzeuge ist ein Massstab für die Ausbildung des Handwerks
und bezeugt eine Thätigkeit nach verschiedenen Richtungen, die
Feinheit der Nähnadeln, die reiche Auswahl sehr zierlich gearbeiteter
Schmuekgegeustände lässt auf Reichthum und Luxus in der
Kleidung und einen keineswegs barbarischen, vielmehr verfeinerten
Geschmack, der Abwechslung der Formen liebte, schliessen. Selbst
wenn man alles für fremdländische Waare annehmen wollte, so
würden doch die Erzeuger für ein uncivilisirtes Volk, welches
die Schönheit und Eleganz der Arbeit, den Reiz feiner und mannigfaltig«'
Verzierung nicht zu schätzen weiss, nicht solche Sorgfalt
auf präcise Ausarbeitung und zierliche, abwechslungsreiche Details
*) Sie werden schon als Stiidtegründer genannt.