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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.  311
und  1862  angelegte  Sammlung  von  136  Stücken  derselben  Anstalt
zum  Geschenk.  ,
Auffallend  ist  die  ganz  vorzügliche  Erhaltung  der  Bronzen,
indem  die  schärfsten  Schneiden  der  Werkzeuge,  die  feinsten  Spitzen ­
  der  Nadeln  häufig  unversehrt  sind,  so  wie  ihre  schöne  goldgelbe ­
  Farbe;  die  meisten  sind  so  blank,  als  ob  sie  erst  vor  kurzem
aus  der  Hand  des  Verfertigers  hervorgegangen  wären,  nur  hie
und  da  fleckig  und  etwas  dunkel  gefärbt,  an  einigen  hat  sich
stellenweise  eine  ganz  dünne,  graue  oder  schwärzliche  Kruste  angesetzt, ­
  eine  eigentliche  Patina,  eine  Oxydirung  von  grüner  Farbe
zeigt  kein  einziges  Stück.  Die  meisten  erhalten  durch  einfaches
Waschen  im  Wasser  zur  Entfernung  angehängter  Sandtheile  die
Farbe  unseres  Kanonenmetalles;  manche  sind  entschiedener  gelb,
andere  röthlicher  bis  zur  Farbe  des  Kupfers,  was  von  der  verschiedenen ­
  Legirung  herrührt.  Herr  Dr.  Erwin  Freiherr  v.  Sommaruga
  hatte  die  Gefälligkeit,  vier  Gegenstände,  welche  die  verschiedenen ­
  Abstufungen  der  Farbe  repräsentiren,  der  chemischen  Untersuchung ­
  zu  unterziehen.  Nach  dieser  besteht  die  am  hellsten  gefärbte,
goldige  Bronze  aus  89-07  Percent  Kupfer  und  10-78  Percent  Zinn,
es  ist  also  die  ganz  normale  Mischung,  wie  sie  an  vielen  Gegenständen'des ­
  Bronzealters  beobachtet  wurde;  sie  spricht  gegen  den
römischen  Ursprung  derselben,  da  die  entschieden  römische  Bronze
der  Kaiserzeit  fast  stets  Zink  enthält.  Das  wenig  röthlichere  Metall
enthält  einen  etwas  geringeren  Zusatz  von  Zinn,  eine  noch  dunklere,
fast  kupferfarbige  Mischung  aber  bei  97  Percent  Kupfer  nur  3  Percent ­
  Zinn.  Eine  Sichel  hatte  vollständig  das  Ansehen  und  die  Weiche
des  reinen  Kupfers,  erwies  sich  aber  ebenfalls  als  eine  Legirung ­
  von  99  Percent  Kupfer  mit  1-23  Zinn  i).  Da  Gegenstände  von
völlig  gleicher  Form  aus  den  verschiedenen  Compositionen  bestehen,
so  lässt  sich  kein  Zeitunterschied  für  die  Anwendung  der  einen  und
der  andern  annehmen,  eben  so  wenig  eine  Verschiedenheit  des  Gebrauches ­
  der  daraus  gefertigten  Geräthe.  Der  geringere  Zinnzusatz
dürfte  vielmehr  dem  zufälligen  Mangel  an  dem  stets  kostbaren  Zinn

*)  Da  sonach  selbst  die  röthesten  Gegenstände  nicht  reines  Kupfer  sind,  vermuthe  ich,
dass  auch  die  nach  Zürich  gesendeten  Stücke  aus  dem  Garda-See,  welche  Dr.  Keller ­
  für  aus  Kupfer  gefertigte  hält,  in  ähnlicher  Weise  wie  unsere  Legirungen  mit
geringem  Zinkgehalte  seien.
            
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