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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.

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Vorkommnissen  ist  also  der  Antheil  menschlicher  Cultur  an  der
Bildung  dieser  Schichte  ausser  allem  Zweifel,  und  es  erscheint  die
Bezeichnung  Culturschichte  dadurch  gerechtfertigt;  ihr  hohes
Alter  bezeugen  die  zahlreichen  Erzeugnisse  des  Kunstfleisses,  die
sie  enthält.
Für  eine  ehemals  hier  über  dem  Wasser  bestandene  Ansiedlung ­
  sprechen  nebst  den  massenhaften  Kohlen  am  meisten  die  grosse
Menge  von  Artefacten,  zunächst  die  Bruchstücke  von  verschiedenen
Gefässen;  sie  sind  übereinstimmend  mit  den  im  Jahre  1830  bei  j
am  südöstlichen  Uferrande  gefundenen.  Nach  der  geringen  Biegung
zu  urtheilen,  waren  es  ziemlich  grosse  5—  8  Zoll  im  Durchmesser
haltende  Töpfe,  die  nicht  auf  der  Scheibe  gedreht,  sondern  aus
freier  Hand  gearbeitet  sind,  was  nicht  nur  aus  ihrer  bedeutenden
Dicke  von  4—5  Linien,  sondern  auch  aus  der  Ungieicheit  derselben
und  Spuren  des  Drückens  und  Knetens  hervorgeht.  Der  Thon  ist
schwärzlich,  wenig  geschlemmt  und  absichtlich  mit  Körnern
eckigen,  gegrabenen  Sandes  (nicht  mit  Seesand),  selbst  mit  kleinen
Stückchen  von  Glimmerschiefer,  so  wie  mit  verschiedenen  organischen ­
  Substanzen  vermengt,  die  beim  Brennen  verkohlten,  wodurch
manche  Stücke  noch  jetzt  abfärben,  und  alle  auf  dem  Bruch  ungleich
und  blättrig  erscheinen.  Sie  sind  nicht  hart,  wahrscheinlich  nicht  in
Öfen,  sondern  nur  am  offenen  Feuer  lind  gebrannt,  daher  ausserordentlich ­
  leicht  zerbrechlich,  porös  (was  auffällig  wird,  wenn  man
ein  Stück  in's  Wasser  legt)  und  durch  den  Einfluss  des  Wassers
mürbe.  Eines  von  fast  schwarzer  Farbe,  von  dem  ein  Theil  der
Ausbauchung  vorhanden  ist,  zeigt  an  dieser  eine  geringe,  hornartige
Protuberanz,  wie  solche  an  vielen  Gefässen  aus  heidnischen  Gräbern ­
  (z.  B.  von  Müglitz  in  Mähren,  Masl  in  Schlesien  u.  s.  w.)  zu
sehen  sind;  der  Zweck  dieser  Buckeln  ist  nicht  klar,  wahrscheinlich ­
  dienten  sie  zur  Versicherung,  wenn  man  das  Gefäss  in  einem
Kesselreifen  aufhängen  wollte.  Ein  zweites  ist  auf  der  Aussenseite
von  rother  Farbe,  auf  dem  Bruche  aber  grau;  es  scheint,  dass  es
nachträglich  starkem  Feuer  ausgesetzt  war;  ein  drittes  ziemlich
dünnes,  von  dem  noch  ein  Stück  des  umgebogenen  Randes  vorhanden ­
  ist,  erscheint  ganz  gesprenkelt  durch  zahlreiche  Körner  von
weissem  Sand.  Verzierungen  kommen  auf  den  vorliegenden  Fragmenten ­
  nicht  vor;  diese  rühren  von  sechs  verschiedenen  Gefässen
her.  Einzelne  Stücke  fanden  sich  über  dem  ganzen  aufgedeckten
            
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