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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.

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Schlamm  und  Sand,  den  eine  solche  Maschine  mit  grosser  Schnelligkeit ­
  und  vermischt  zu  Tage  fördert,  suchte  man  meist  nur  die
Metallsachen  heraus,  die  übrige  Masse  blieb  ununtersucht  und  wurde,
ohne  dass  auch  die  unscheinbaren,  aber  gerade  beweiskräftigen
Objecte  Beachtung  fanden,  theils  zu  Aufdämmungen  verwendet,
theils  an  tieferen  Stellen  des  Sees  wieder  versenkt.  Im  aufgeschwemmten ­
  Sande  fanden  sich  nur  wenige,  offenbar  der  neueren
Zeit  angehörende  Gegenstände  :  Ziegelstücke,  ein  Armbrustbolzen,
Nägel  und  eine  sehr  wohlerhaltene  Lanzenspitze  von  Eisen.  Dagegen ­
  erwies  sich  die  darunter  liegende  Pflanzenschichte  sehr  reich
an  Überresten  einer  älteren  Cultur.  Herr  Ingenieur  Lorenz  berichtet
zwar,  an  der  unter  seiner  Leitung  gebaggerten  Stelle  zwischen  a  dg
keine  Thierknochen  und  Gefässtrümmer  bemerkt  zu  haben,  sondern
blos  Holzkohlen  und  zahlreiche  Bronzegegenstände,  dagegen  versichern ­
  Arbeiter  an  mehreren  anderen  Puncten  massenhaft  Knochen
von  grösseren  Thieren  ausgehoben  zu  haben,  die  zum  Theil  noch  in
einem  nahen  Damme,  zu  dessen  Aufschüttung  sie  sammt  dem  Bodenmateriale ­
  verwendet  wurden,  liegen  müssten.
Bei  der  von  mir  mit  beschränkten  Mitteln  unternommenen  Aufdeckung ­
  eines  Raumes  von  circa  6  Quadratklafter,  fand  ich  die  unter
dem  2(4  Puss  tiefen  Sande  liegende  Schichte  in  einer  Mächtigkeit
von  y a  Puss,  aus  einer  Masse  vegetabilischer  Stoffe  bestehend  und
durchaus  geschwärzt  durch  zahllose  grössere  und  kleinere  Stücke
von  Kohlen,  und  zwar  sowohl  von  grösseren  Stämmen  als  von  Astbolz ­
  und  Reisig,  wie  man  es  auf  dem  Herde  zu  brennen  oder  zu
Flechtwerk  zu  verwenden  pflegt.  Herr  Professor  Dr.  Franz  Unger
hatte  die  Güte  von  einer  Partie  der  ausgehobenen  Culturschichte
eine  höchst  sorgfältige  Untersuchung  vorzunehmen,  die  sehr
interessante  Resultate  ergab.  Er  bezeichnet  die  Masse  als  Pflanzendetritus ­
  und  fand  nebst  Holz,  Rinde  und  Kohlen  der  Eiche  (Quercus
sessiliflora),  Holz  und  Kohle  des  Haselstrauches  und  Hollunders
(Sambucus  nigra),  die  Reste  von  zwanzig  verschiedenen  Pflanzen.
Es  sind  folgende:  a.  Wildwachsende  essbare  Pflanzen:  Corylus
avellana,  Haselnuss  —  die  Schalen  in  grosser  Menge,  Cornus  mascula
  (Kornellkirsche),  Sambucus  nigra  (schwarzer  Hollunder),
Fragaria  elulior  (Gartenerdbeere),  Rubus  Idaens  (Himbeere).
b.  Culturpflanzen:  Secale  cereale  (Roggen),  Vitis  vinifera  (Weinstock), ­
  Corylus  columa?  (byzantinische  Haselnuss),  c.  Samen  von
20*
            
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