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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.

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die  Anlage  eines  Arsenales  beschlossen  wurde,  war  die  Austiefung
eines  Kriegshafens  mit  bequemer  Zufahrt  geboten  und  diesem  Umstande ­
  ist  die  Auffindung  sehr  vieler  Culturüberreste  zu  verdanken.
Der  k.  k.  Marine-Ingenieur  Alfred  Lorenz  und  der  k.  k.  Oberlieutenant ­
  im  Geniestabe  v.  Silber  fanden  bei  dieser  Gelegenheit
eine  grosse  Menge  von  Bronzeobjecten,  besonders  viele  zwischen
ne/  auf  einem  Flecke  von  wenigen  Quadratklaftern  aufgehäuft,  in
einer  Tiefe  von  S—6  Fuss  in  der  auf  dem  Seeboden  aufliegenden
pflanzlichen  Schichte,  und  zwar  in  dem  unteren  Theile  derselben.
Auch  Stücke  gebrannten  Thones  von  bedeutender  Dicke,  schwärzlicher ­
  Farbe  und  ohne  bestimmte  Form  kamen  sehr  zahlreich  vor  >).
Was  die  Pfähle  anbelangt,  so  behauptet  H.  Lorenz,  der  mir  mit
dankenswerther  Freundlichkeit  über  die  Details  des  Fundes  Aufschlüsse ­
  gab,  nur  wenige  in  senkrechter  Stellung  angetroffen  zu
haben,  dagegen  einzelne  liegende  Stämmetrümmer  häufiger  waren,
nicht  zu  gedenken  verschiedener,  offenbar  aus  neuester  Zeit  herrührender ­
  Pfähle,  die  wenig  tief  im  Sande  stecken  und  bis  zum
Wasserspiegel,  selbst  über  denselben  reichen.  Er  geht  von  der,  wie
wir  später  sehen  werden,  nicht  wahrscheinlichen  Ansicht  aus,  dass
die  Pfahlstelle  früherer  Zeit  Festland  war  und  dass  hier  eine  Colonie
auf  trockenem  Boden  bestand.  Dagegen  versichert  Herr  Oberlieutenant
v.  Silber  eine  grosse  Menge  von  ganz  geschwärzten,  unter
dem  Sande  verborgenen  senkrechten  Pfählen  beobachtet  zu  haben.
Letztere  Angabe  bestätigt  die  amtliche  Aussage  des  bei  den  Baggerungsarbeiten ­
  von  1860  —  1862  als  Oheraufseher  verwendeten
Zimmerpoliers  Andreas  Spaczil,  welche  die  in  grosser  Anzahl,
in  Entfernungen  von  3  —  4  Fuss  beisammenstehenden  Pfähle,  die
theils  vermodert,  theils  ganz  steinig  waren  und  unter  der  Torfschichte ­
  4  —  6  Fuss  in  den  Seeboden  eingerammt  waren,  genau
beschreibt.
Am  weitesten  verfolgte  die  Entdeckung  der  k.  k.  Hauptmann
im  Geniestabe  Herr  Joseph  Kostersitz,  welcher,  auf  die  wahrscheinliche ­
  Bedeutung  derselben  als  Pfahlbau  aufmerksam,  auf  das
Vorkommen  von  Pfahlwerk  und  dessen  Begrenzung  ein  besonderes

*)  Eine  Notiz  über  diesen  Fund,  so  wie  die  Abbildung  mehrerer  von  Herrn  v.  Silber
an  Dr.  Keller  in  Zürich  gesandten  Bronzen  findet  sich  in  Keller's  fünftem  Pfahlbaubericht ­
  (Mitth.  d.  antiq.  Gesellsch.  in  Zürich  XIV,  Heft  6,  S.  142  (14),  Taf.
IV  —  VI).
            
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