300
v. Sacken
eleganter Form, so sorgfältig zugerichtet und gebohrt, dass die
Anwendung metallener Werkzeuge bei der Anfertigung vieler derselben
sehr wahrscheinlich ist. Auch ergaben viele Fundorte von
Steinalterthümern zugleich Bronzegegenstände, ja es wurden beiderlei
Arten mitunter zusammengefunden. Übrigens sind noch bei zu wenigen
Funden die Umstände genau und wissenschaftlich untersucht,
um ein fertiges Urtheil zu begründen. Über alle diese Verhältnisse
versprechen die Pfahlbauten, die häufig abgeschlossene Culturbilder
darstellen, vielfache Belehrung.
Die merkwürdige Entdeckung von uralten Seeansiedlungen hat
in der letzten Zeit eine ungeahnte Ausdehnung gewonnen; in den
Schweizerseen zeigen sich die Seeufer an allen günstigen Stellen
förmlich bedeckt mit Pfahldörfern, es werden deren bereits über
hundert und fünfzig verzeichnet (im Bieler-See allein 20, im Neuenburger
46) 0 und schon lässt sich die eigenthümliche Sitte von den
Seen Piemonts bis nach Mecklenburg hinauf verfolgen.
Ein ungewöhnlicher Eifer gibt sich bei der Erforschung der
Seen kund, der aber leicht zu weit führen kann; jede Untersuchung
hat ihren Werth, nur erscheint es bedenklich, wenn sie mit einer
vorgefassten Meinung unternommen wird und aus einem vereinzelten
Umstande und ungenügenden Vorkommnissen Schlüsse gezogen und
als Resultate hingestellt werden; das Urtheil wird hierdurch nur
verwirrt und ein gegründetes Misstrauen hervorgerufen, welches
der besonnenen Forschung die Aufgabe sehr erschwert. Es ist selbstverständlich,
dass hier nach denselben Grundsätzen, mit der Ruhe,
Nüchternheit und Vorsicht vorgegangen werden muss, wie bei allen
wissenschaftlichen Untersuchungen.
Von einem eigentlichen Pfahlbau — wenn man nicht jede im
Wasser stehende Fischerhütte so nennen will, — d. h. von einer
alten, vorchristlichen Ansiedlung im See kann erst nach dem streng
geführten Nachweise des Zusammentreffens aller charakteristischen
Merkmale die Rede sein. Dahin gehören vor allem zahlreiche, in
vielen mehr oder weniger regelmässigen Reihen und Gruppen in
geringer Entfernung von 1—4 Fuss beisammen stehende, senkrecht
eingerammte Pfähle, die sich mit unvollkommenen Werkzeugen
zugespitzt, nicht in grossen regelmässigen Flächen pyramidenartig
mit scharfen Beilen zugehauen (wie die römischen und
i) Mittheilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, XIV, 6. Hft., Taf. XVII.
m