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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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v.  Sacken

eleganter  Form,  so  sorgfältig  zugerichtet  und  gebohrt,  dass  die
Anwendung  metallener  Werkzeuge  bei  der  Anfertigung  vieler  derselben ­
  sehr  wahrscheinlich  ist.  Auch  ergaben  viele  Fundorte  von
Steinalterthümern  zugleich  Bronzegegenstände,  ja  es  wurden  beiderlei
Arten  mitunter  zusammengefunden.  Übrigens  sind  noch  bei  zu  wenigen ­
  Funden  die  Umstände  genau  und  wissenschaftlich  untersucht,
um  ein  fertiges  Urtheil  zu  begründen.  Über  alle  diese  Verhältnisse
versprechen  die  Pfahlbauten,  die  häufig  abgeschlossene  Culturbilder
darstellen,  vielfache  Belehrung.
Die  merkwürdige  Entdeckung  von  uralten  Seeansiedlungen  hat
in  der  letzten  Zeit  eine  ungeahnte  Ausdehnung  gewonnen;  in  den
Schweizerseen  zeigen  sich  die  Seeufer  an  allen  günstigen  Stellen
förmlich  bedeckt  mit  Pfahldörfern,  es  werden  deren  bereits  über
hundert  und  fünfzig  verzeichnet  (im  Bieler-See  allein  20,  im  Neuenburger ­
  46)  0  und  schon  lässt  sich  die  eigenthümliche  Sitte  von  den
Seen  Piemonts  bis  nach  Mecklenburg  hinauf  verfolgen.
Ein  ungewöhnlicher  Eifer  gibt  sich  bei  der  Erforschung  der
Seen  kund,  der  aber  leicht  zu  weit  führen  kann;  jede  Untersuchung
hat  ihren  Werth,  nur  erscheint  es  bedenklich,  wenn  sie  mit  einer
vorgefassten  Meinung  unternommen  wird  und  aus  einem  vereinzelten
Umstande  und  ungenügenden  Vorkommnissen  Schlüsse  gezogen  und
als  Resultate  hingestellt  werden;  das  Urtheil  wird  hierdurch  nur
verwirrt  und  ein  gegründetes  Misstrauen  hervorgerufen,  welches
der  besonnenen  Forschung  die  Aufgabe  sehr  erschwert.  Es  ist  selbstverständlich, ­
  dass  hier  nach  denselben  Grundsätzen,  mit  der  Ruhe,
Nüchternheit  und  Vorsicht  vorgegangen  werden  muss,  wie  bei  allen
wissenschaftlichen  Untersuchungen.
Von  einem  eigentlichen  Pfahlbau  —  wenn  man  nicht  jede  im
Wasser  stehende  Fischerhütte  so  nennen  will,  —  d.  h.  von  einer
alten,  vorchristlichen  Ansiedlung  im  See  kann  erst  nach  dem  streng
geführten  Nachweise  des  Zusammentreffens  aller  charakteristischen
Merkmale  die  Rede  sein.  Dahin  gehören  vor  allem  zahlreiche,  in
vielen  mehr  oder  weniger  regelmässigen  Reihen  und  Gruppen  in
geringer  Entfernung  von  1—4  Fuss  beisammen  stehende,  senkrecht ­
  eingerammte  Pfähle,  die  sich  mit  unvollkommenen  Werkzeugen ­
  zugespitzt,  nicht  in  grossen  regelmässigen  Flächen  pyramidenartig ­
  mit  scharfen  Beilen  zugehauen  (wie  die  römischen  und
i)  Mittheilungen  der  antiquarischen  Gesellschaft  in  Zürich,  XIV,  6.  Hft.,  Taf.  XVII.

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