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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Der  Pfahlbau  im  Garda-See.  299

Metallgegenständen  in  den  Seen  der  West-Schweiz,  wird  das  Verhältniss
  klar.  Wenn  auch  der  Zeitunterschied  zwischen  beiden  kein
so  grosser  ist,  als  Manche  anzunehmen  geneigt  sind,  so  dürfte
andererseits  doch  die  Verschiedenheit  der  Vorkommnisse  nicht  ausschliesslich ­
  aus  der  günstigeren  Lage  und  dem  Verkehre  mit  Fremden ­
  der  westlicheren  Gegenden  zu  erklären  sein,  sondern,  wenn  man
die  Nähe  der  blos  mit  Steingerätlien  versehenen  Ansiedlungen  von
den  reichlich  mit  schönen  bronzenen  ausgestatteten,  die  Leichtigkeit ­
  der  Verbindung  und  die  Stammesgleichheit  der  Bevölkerung
berücksichtigt,  ersteren  doch  ein  höheres  Alter  zuzuschreiben  sein.
Die  Vermuthung  liegt  nahe,  dass  die  aller  Wahrscheinlichkeit
nach  in  den  Seen  Ungerns,  Kärntens,  Ober-Österreichs  bestandenen
Ansiedlungen  ebenfalls  der  Steinzeit  angehörten  und  dass  wir  durch
ihre  Auffindung  wichtige  Aufschlüsse  über  diese  Periode  in  unserer
Heimat  erhalten  könnten,  was  um  so  wünschenswerther  wäre,  als
t  diese  noch  völlig  im  Dunkeln  liegt,  ja  nicht  einmal  ihr  Bestehen  mit
Sicherheit  nachgewiesen  ist.  Es  ist  wohl  anzunehmen,  dass  hei  den
frühesten  Wanderungen  der  Völker  aus  Osten  die  österreichischen
Länder  mit  ihren  dem  Lebensunterhalt  so  günstigen  Verhältnissen
nicht  übergangen,  sondern  den  üppigen  Flussthälern  entlang  bis
in’s  Innere  besetzt  wurden,  allein  es  mangeln  bestimmte  Anhaltspuncte,
  auf  welcher  Culturstufe  sich  die  ersten  Einwanderer  befanden.
Die  Bedingungen,  an  welche  die  Kenntniss  und  Verbreitung  der
Metalle  bei  den  verschiedenen  Völkern  geknüpft  war,  sind  noch
keineswegs  aufgeklärt,  wenn  es  auch  zweifellos  erscheint,  dass  sie
wesentlich  von  dem  Zusammenhänge  und  der  Art  des  Verkehres  mit
metallkundigen  Völkern  des  Ostens  und  Südens,  von  denen  die  Anregung ­
  ausging,  abhängen.  Wir  kennen  bei  uns  noch  keine  Grabstätten, ­
  wie  in  den  nördlicheren  Ländern,  die  massenhaft  Steingeräthe
|  ohne  Spur  von  Metall  enthalten;  wohl  wurden  an  vielen  Puncten
aller  österreichischen  Kronländer  Steinwerkzeuge  gefunden,  aber
sie  sind  darum  noch  nicht  nothwendig  aus  einer  Periode,  welche  gar
kein  Metall  besass  und  für  das  Bestehen  einer  solchen  absolut  entscheidend, ­
  denn,  dass  die  Steinzeit  keine  abgeschlossene  Begrenzung
hat  und  Werkzeuge  aus  dem  wohlfeilen  Stein  lange  und  häufig  in
Gebrauch  standen,  als  man  schon  das  Erz,  selbst  das  Eisen  kannte,
darüber  ist  man  wohl  einig.  Zudem  sind  die  in  Österreich,  Steiermark, ­
  Mähren,  Ungern  gefundenen  derartigen  Geräthe  meist  von  so

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