SITZUNG VOM 16. NOVEMBER 1864.
Das wirkliche Mitglied, Herr Dr. Ferdinand Wolf, legt eine
Abhandlung für die Denkschriften vor: „Über Raoul de Houdenc und
insbesondere seinen Roman Meraugis de Portlesguez“.
Der Verfasser gibt eine kritische Zusammenstellung der biound
bibliographischen Notizen über diesen nächst Chretien de
Troies berühmtesten Trouvere und dessen Werke.
Dann gibt er eine Analyse des bedeutendsten Werkes desselben,
des bis jetzt ungedruckten „Roman de Meraugis de Portlesguez“
(in Versen), nach der Handschrift 2599 der k. k. Hofbibliothek zu
Wien.
Im Anhang wird eine für die Geschichte der mittelalterlichen
Minnehöfe sehr merkwürdige Stelle aus diesem Gedichte mitgetheilt,
da sie für die bis jetzt aus Mangel an gleichzeitigen Zeugnissen
bezweifelte Existenz derselben als eigentlicher Damengerichte und
mit rechtskräftiger Urtheilsfällung spricht.
Endlich weist er die Werke und Stellen nach, in welchen des
Helden dieses Romans Erwähnung geschieht, wobei er insbesondere
den in der Handschrift 2594 der k. k. Hofbibliothek befindlichen
portugiesischen Prosa-Roman von Lancelot bespricht und daraus
alle auf Meraugis bezüglichen Stellen mittheilt.