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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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M  u  s  s  a  f  f  i  a

finden,  lind  es  wird  dich  zu  mir  führen.“  Am  bestimmten  Tuge  verlässt ­
  der  Neuvermählte  das  Haus  und  begibt  sieb  zur  verabredeten
Stelle.  Er  findet  das  Thier,  besteigt  es,  und  dieses  führt  ihn  in  eine
wunderliebiiebe  Gegend.  Die  Luft  hell  und  milde,  lachende  Fluren,
blumige  Wiesen,  Bäume  mit  Blüthen  und  Früchten  geschmückt,
überall  Duft  und  Glanz.  Die  Vögel  begriissen  mit  süssem  Gesänge
seine  Ankunft.  Er  kommt  in  einem  herrlichen  Palaste  an;  darinnen
findet  er  seinen  Gast,  umgeben  von  einer  grossen  Schaar  weissgekleideter, ­
  mit  Kronen  geschmückter  Greise,  deren  Antlitz  wie  die
Sonne  glänzt.  Freudig  empfangen  sie  ihn,  und  himmlische  unaussprechliche ­
  Freude  erfüllt  das  Herz  des  Jünglings,  welcher  in
dieser  Verzückung  dreihundert  Jahre  zubringt,  die
ihm  so  schnell  wie  ein  Tag  dahin  fl  i  essen.
Eltern  und  Braut  hatten  indessen  seiner  lange  geharrt;  sie
hatten  ihn  überall  gesucht  und  endlich  der  Hoffnung  entsagt,  ihn  je
wieder  zu  finden.  Da  liess  der  Fürst  aus  seinem  Palaste  ein  Kloster
und  eine  Kirche  bauen;  dort  beschloss  er  seine  Tage;  dort  wurden
er  und  seine  Frau  begraben,  mit  ihnen  die  verlassene  Braut.  Und
es  waren  dreimal  hundert  Jahre  verflossen  und  viele  Geschlechter
waren  auf  einander  gefolgt,  als  der  verzückte  Jüngling,  dem  die
Zeit  so  rasch  dahingeflogen  war,  heimkehren  will.  Sein  Gastgeber
ermahnt  ihn  zwar,  lieber  bei  ihm  zu  bleiben;  er  muss  aber  fort:
wartet  doch  daheim  sein  junges  Weib  auf  ihn.  Das  Maulthier  trägt
ihn  wieder  an  die  frühere  Stelle;  er  zieht  gegen  die  Stadt;  Leute
gehen  auf  und  ab;  alle  wie  vorher  beschäftigt;  aber  lauter  neue
Gesichter;  er  erkennt  Niemanden,  Niemand  erkennt  ihn.  Wo  sein
Schloss  stand,  findet  er  ein  Kloster.  Er  klopft;  der  Abt  öffnet  und
fragt,  wer  er  sei.  Er  nennt  sich  und  fügt  hinzu:  „Gestern  verliess
ich  das  Haus;  heute  bin  ich  wieder  da  und  finde  nun  Alles  verändert. ­
  Wo  sind  denn  Vater  und  Mutter?  wo  meine  Braut?“  Da
wusste  der  Abt,  dass  dieser  der  Fürstensohn  war,  von  dem  die
Chronik  sagte,  er  wäre  eines  Tages  verschwunden  und  nie  wieder
erschienen;  er  führte  ihn  in  die  Kirche  und  zeigte  ihm  die  Gräber,
wo  seine  Angehörigen  seit  so  vielen  Jahren  ruhten.  Der  Ruf  des
Wunders  verbreitet  sich  überall;  die  Einwohner  der  Stadt  laufen
herbei,  den  Wiedererschienenen  zu  sehen  und  der  Abt  ladet  ihn
zum  Mahle.  Anfangs  weigert  er  sich,  nachdem  er  am  Tische  der
Engel  gesessen,  irdische  Nahrung  zu  geniessen;  endlich  gibt  er
            
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