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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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M  ii  s  s  a  f  i  a

Seine  Frau  wurde,  nachdem  sie  ihm  einen  Sohn  und  eine
Tochter  geboren,  aussätzig.  Da  drangen  seine  Freunde  und  Verwandten ­
  in  ihn,  er  solle  sich  von  ihr  trennen;  er  zog  es  aber  vor,  die
Heimat  zu  verlassen,  und  mit  seinem  geliebten  unglücklichen  Weibe
die  Welt  zu  durchwandern.  —  Der  König  von  Portugal  führte
damals  Krieg  gegen  zwei  heidnische  Könige.  In  einem  Treffen
wurde  er  getödtet  und  die  Sieger  belagerten  die  Hauptstadt  seines
Reiches,  wo  die  Witwe  lebte.  Rudolf  kam  ihr  zu  Hilfe,  und  als
später  zwischen  den  zwei  kriegführenden  Mächten  beschlossen
wurde,  den  Streit  durch  einen  Zweikampf  entscheiden  zu  lassen,
war  Rudolf  der  Kämpe  der  Christen;  er  besiegte  seinen  Gegner
und  befreite  Portugal  von  den  Heiden.  Sein  Wirth  erzählt  ihm  nun
von  einer  Quelle  in  einem  naben  Walde,  deren  Wasser  den  Aussatz
heile;  nur  sei  der  Zugang  zu  derselben  von  einer  grossen  Anzahl
Schlangen  und  anderer  giftigen  Thiere  bewacht;  manch’  edler
Ritter,  welcher  denselben  hatte  erzwingen  wollen,  habe  seine  Kühnheit ­
  durch  das  Leben  büssen  müssen.  Rudolf  aber  trotzt  jeder
Gefahr,  er  besiegt  die  Schlangen,  und  seine  Frau  steigt  wie  neugeboren ­
  aus  dem  heilenden  Bade  heraus.  Doch  bald  lässt  sich  die
Treulose  von  ihrem  Wirthe  bethören,  ihren  Mann  zu  verlassen  und
sich  mit  ihren  Kindern  zu  einem  heidnischen  Könige  zu  begeben,
der  sie  zu  seiner  Frau  macht.  Rudolf  setzt  ihr,  als  Krämer  verkleidet, ­
  nach.  In  der  Stadt  angelangt,  wo  die  Treulose  lebt,  stellt  er
im  Vorhofe  des  Tempels  seine  Waaren  aus.  Da  nahen  auch  seine
Kinder;  der  Knabe  erkennt  ihn  sogleich  und  theilt  es  der  Mutter
mit.  Diese  aber  lässt  ihren  früheren  Gemahl  festnehmen,  und  wie
der  König  ihr  die  Entscheidung  über  das  Schicksal  des  Gefangenen
anheimstellt,  ersinnt  sie  einen  martervollen  Tod.  Sie  lässt  Rudolf
an  eine  Säule  im  Schlafgemache  des  Königs  binden  und  unter  ihn
glühende  Kohlen  setzen,  die  ihn  langsam  versengen  sollten.  Seine
Qualen  zu  vermehren,  besteigt  sie  mit  ihrem  Buhlen  das  Bett  und
sie  fröhnen  dem  Liebesdienste.  Dabei  ermatten  sie,  und  schlafen
so  fest  ein,  dass  selbst  die  Wehklagen  Rudolfs  sie  nicht  zu  erwecken ­
  vermögen.  Nun  springt  der  Knabe  seinem  Vater  bei  und
löst  seine  Bande.  Rudolf  tödtet  die  Schlafenden  und  entflieht  mit
seinem  Sohne  in  die  Heimat,  wo  er  endlich  „plenus  (Herum  felicium
  anima  in  Bei  manibus  commendata  viam  est  universae  carnis

in  ressus.
            
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