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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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M  u  s  s  a  f  i  a

eine  sehr  weite  Auslegung  geben;  wenn  er  sagt,  „er  hätte  aus  dem
Lateinischen  sein  Wälsclies  gezogen“,  so  hatte  er  nur  den  Stoff  in
seinen  äussersten  Umrissen  entlehnt,  alles  Übrige  aus  Eigenem  hinzugesetzt. ­
  Dieser  Meinung  pflichtet  Loiseleur-Deslongchamps  hei;
er  bezeichnet  die  Historia  beständig  (vgl.  z.  ß.  die  Anmerkung  zu
S.  144,  149,  1S1  u.  S.  179)  als  das  Werk  des  Johannes,  und  um  die
grossen  Abweichungen  des  „Dolopathos“  zu  erklären,  erinnert  er
daran,  wie  wenig  sich  die  Übersetzer  des  Mittelalters  an  ihre  Vorlage ­
  für  gebunden  hielten,  wie  sie  nach  ihrem  Gutdünken  wegliessen,
hinzusetzten,  kurz  das  Original  auf  jede  erdenkliche  Weise  umstalteten.
Darum  spricht  er  wiederholt  von  der  Originalität  Herbert’s:  „H.  a
ajoute  plusieurs  contes,  en  developpant  d’ailleurs,  ä  sa  mattiere,
ceux  qu’il  a  conserve's“  (S.  S6);  sein  Werk  ist  eine  „Imitation  tres
libre“  (S.  89)  u.  s.  w.  Anders  Montaiglon,  jener  unter  den  Herausgebern ­
  des  „Dolopathos“,  von  dem  die  Vorrede  herrührt.  Er
meint,  dass  wenn  Herbert  wiederholt  behauptet,  übersetzt  zu  haben,
man  keinen  Grund  habe,  ihm  nicht  glauben  zu  wollen;  eine  Übersetzung ­
  aber,  welche  nur  im  Grundmotive  mit  ihrem  Originale
übereinstimme,  Allem  anderen  aber  eine  durchwegs  verschiedene
Gestalt  gebe,  höre  auf  eine  solche  zu  sein;  und  der  Verfasser
derselben  werde  wohl  der  letzte  sein,  der  ihr  diese  Benennung
ertheile.  „Quand  on  ne  traduit  pcis“,  sagt  er  trefflich,  „iln’y  apas
de  raison  pour  dire  quon  traduit■  Or  ce  ne  serait  pas  traduire,
meine  pour  le  moyen  äge,  que  de  faire  intervenir  avec  cette  importance
  le  personnage  nouveau  de  Virgile,  d’ajouter  toute  wie  partie
sur  le  Christianisme,  et  sur  liuit  re'cits  d’en  avoir  cinq  nouveaux.“
Er  meinte  daher,  es  müssten  zwei  lateinische  Urschriften  angenommen ­
  werden:  erstens  die  Historia  septem  sapientum,  dann  das  Werk
Jean’s,  dem  Herbert  folgte;  letzteres  aber  sei  verloren.  Dieser  Meinung ­
  schliesst  sich  die  „Nouvelle  biographie  generale“  von  D  i  d  o  t
(XXIV  289)  an,  welche  ganz  richtig  hinzufügt:  „On  ignore  donc
quelle  part  exacte  revient  ä  Herbert  et  s'il  na  ete,  comme  il  le
dit  lui  meme,  qu’un  simple  traducteur.“  Auch  R.  Köhler,  Orient
und  Occident  II  121,  betrachtet  Jeau’s  Werk  als  verloren 1 ).

')  Wenn  die  Biographie  universelle  von  Michaud  (Bd.XIX)  sich  der  ersten  Meinung
anschliesst:  („L'ouvrage  que  Uerbers  a  pris  pour  modele  cst  l'IIist.  s.  s.  de  Dam
Jean  ...  Quoiquc  //.  nannonce  qu'une  traduction,  il  s'est  donne  de  grandes  liiertes  d
            
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