Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Über  die  Quelle  des  altfranzösischen  „Dolopathos“.

247

zwei  Gruppen,  wurden  sie,  so  lange  das  meiste  Material  in  Handschriften ­
  vergraben  lag,  oft  mit  einander  verwechselt.  Nachdem  aber
Adalbert  Keller  den  „Roman  des  sept  sages“  abgedruckt,  und  Le
Roux  de  Lincy  eine  ausführliche  Analyse  und  grössere  Auszüge
aus  dem  „Dolopathos“  *)  mitgetheilt  hatte,  war  eine  solche  Vermengung ­
  nicht  mehr  möglich.  Wohl  aber  blieb  die  Frage  über  das  Verhältnis ­
  der  Arbeit  Herbert's  zu  seiner  Quelle  noch  zu  erledigen.
Dass  er  übersetzt  hat,  sagt  er  selbst  zweimal;  und  ich  muss  die
schon  oft  citirten  Stellen  wieder  hieher  setzen:
Us  blans  moines  de  bonne  vie.
De  Haute  Selve  l’abai'e,
A  ceste  estuire  novellee;
Par  biau  latin  l’a  ordenee,
Herbers  Ia  velt  en  roman  trere.  v.  19  —  23.
Weiter  heisst  es:
Si  com  dans  Jebans  nos  devise,
Qui  en  latin  l’estoire  mist,
Et  Herbers,  qui  le  roman  (ist,
De  latin  en  roman  le  trest.  V.  1844  —  47.
Also  Jean  de  Haute-Selve  oder  de  Haute  Seille,
Johannes  ab  Alta  Silva  3 ),  war  der  Verfasser  der  lateinischen
Urschrift;  er  widmete  dieselbe  dem  Bertrand,  Bischöfe  von  Metz,
welcher  diesen  Sitz  von  1179  bis  1212  inne  hatte.  Das  Widmungsschreiben ­
  druckte  Marte  ne,  Amplissima  collectio  I  949  ab;  um
das  Werk  selbst  kümmerte  er  sieb  nicht.  Es  entstand  nun  also  die
Frage:  Ist  das  Werk  des  Johannes  mit  der  Historia  septem  sapientum
  (wovon  einige  Handschriften  und  mehre  Drucke  des  XV.  und
XVI.  Jahrhunderts  vorhanden  sind)  identisch,  oder  ist  es  vielmehr
ein  für  sich  bestehendes,  bisher  noch  nicht  aufgefundenes  Werk?
Nahm  man  das  Erstere  an,  so  musste  man  der  Angabe  Herbert’s

Lehre  auseinander.  Er  zeigt  ihm  die  Eitelkeit  und  Unhaltbarkeit  des  Götzendienstes,
löst  alle  seine  Zweifel  und  bestimmt  ihn  dazu,  die  Taufe  anzunehmen.  Christ  geworden, ­
  entsagt  Lucimien  dem  Throne  zu  Gunsten  eines  seiner  Freunde  und  zieht  mit
dem  Fremden  nach  Jerusalem  fort.  Man  erkennt  sogleich  die  ßarlaain-  und  Josaphatsage, ­
  und  so  mag  sich  auch  erklären,  dass  manche  Literarhistoriker  dem  Herbert
eine  Bearbeitung  des  weitverbreiteten  geistlichen  Romans  zuschreiben.
*)  In:  Essai  sur  Les  fahles  indiennes  etc.  par  A.  Loiseleur-Deslongchamps.  Paris,
1838.  8«.
2 )  Eine  Cistercienser-Abtei  im  Bisthume  Nancy,  Diöcese  von  Toul.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.