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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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M  u  s  s  a  f  i  a

Über  die  Quelle  des  altfranzösischen  „Dolopatlios“.
Von  Adolf  Mussufia,
a.  ö.  Professor  der  romanischen  Philologie  an  der  Wiener  Universität.
Wenn  man  die  einzelnen  occidentalisclien  Versionen  der  „Sieben
weisen  Meister“  mit  einander  vergleicht 1 ),  so  wird  man  bald  gewahr,
dass  dieselben  nur  eine  innig  zusammenhängende  Gruppe  bilden,  an
deren  Spitze  die  lateinische  „Historia  septem  sapientum“  steht.
Die  Rahmenerzählung  weist  zwar  hie  und  da  einige  nicht  unbedeutende ­
  Abweichungen  auf,  Zahl  und  Anordnung  der  einzelnen  Erzählungen ­
  sind  nicht  überall  vollkommen  gleich;  trotzdem  steht,  wie
gesagt,  die  Zusammenhörigkeit  aller  dieser  Versionen  ausser  allem
Zweifel.  Neben  dieser  Gruppe  kennt  man  aber  eine  andere  altfranzösische ­
  Darstellung  der  weitverbreiteten  Mähre,  den  „vornan  de
Dolopatlios“,  welchen  Herbert,  ein  Trouvere  des  XIII.  Jahrhunderts, ­
  aus  dem  Lateinischen  übersetzt  zu  haben  angibt.  Mit  den
anderen  Versionen  hat  diese  nur  das  nackte  Gerippe  gemein:  Einleitung, ­
  Namen  der  handelnden  Personen,  Zahl  und  Inhalt  der  Erzählungen, ­
  Schluss,  Alles  ist  durchaus  verschieden.  In  der  Historia
steht  je  einer  von  den  einzelnen  Meistern  erzählten  Geschichte  eine
der  Frau  entgegen,  im  „Dolopatlios“  fehlen  die  der  Frau  gänzlich;
dort  wird  desVirgilius  nur  gelegentlich  gedacht,  hier  ist  er  die  Hauptperson; ­
  im  „Dolopatlios“  endlich  wird  mit  grosser  Ausführlichkeit  die
Bekehrung  des  Helden  der  Geschichte  zum  Christenthume  erzählt,  wovon ­
  die  Historia  nichts  weiss  2).  Trotz  dieser  strengen  Scheidung  der

*)  Siehe  die  von  mir  mitgetheilte  Tabelle  in  Ebert’s  Jahrbuche  IV,  166.
3 )  Nach  der  Bestrafung 1  nämlich  seiner  verläumderischen  Frau,  lebt  Dolopathos  nur
noch  kurze  Zeit,  und  Lucimien  sein  Sohn,  folgt  ihm  auf  dem  Throne  Siciliens.  Da
kommt  eines  Tages  in  seine  Residenzstadt  ein  christlicher  Prediger:  alt,  unansehnlich, ­
  ärmlich  gekleidet.  Dieser  fordert  Lucimien  auf,  ihm  zuzuhören;  sie  ziehen  sich
in  ein  geheimes  Gemach  zurück,  und  der  Fremde  setzt  dem  Könige  die  christliche
            
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