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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

die  Decretalen  hineinzustudiren  *.  Allein  innerhalb  kurzer  Frist
hatte  er  eine  so  genaue  Bekanntschaft  mit  den  Texten  gemacht  und
sich  so  viel  Übung  erworben,  dass  er  für  einen  sehr  tüchtigen  Richter ­
  galt,  so  dass  Jemand  ausrief:  „.Verwünscht  sei  die  Curie  des  Abtes,
wo  mir  weder  Gold  noch  Silber  hilft,  um  meine  Gegner  zu  überwinden“. ­

Von  seiner  Unparteilichkeit  gibt  folgender  Fall  ein  Zeugniss.
Auch  in  St.  Edmundsbury  herrschte  der  Gebrauch,  am  Weihnachtstage ­
  allerhand  Schauspiele  2  auf  dem  Gottesacker  aufzuführen;  bei
Gelegenheit  derselben  kam  es  im  Jahre  1197  zu  einer  argen  Schlägerei ­
  zwischen  den  Bürgern  und  den  Dienern  des  Abtes  3 .  Dieser
forderte  sogleich  die  Schuldigen  vor  sein  Gericht  und  erklärte  auf
Grund  des  Zeugnisses  von  sechszehn  Geschwornen  dieselben  in  die
Excommunication  verfallen;  er  sprach  diese  dann  feierlich,  zuerst
über  seine  Diener,  dann  über  die  Bürger,  die  an  der  Schlägerei
Theil  genommen,  aus;  auch  lud  er  gegen  die  sonstige  Übung  keinen
der  Bürger  an  einem  der  folgenden  fünf  Tage  zu  sich  zur  Tafel.
Die  Schuldigen  warfen  sich  dann,  nachdem  sie  sich  bis  auf  die  Beinkleider ­
  entblosst,  vor  der  Kirchenthüre  nieder.  Mit  strenger  Miene,
aber  versöhnlichem  Herzen  redete  Samson  sie  an,  absolvirte  sie  von
der  Kirchenstrafe,  verurtheilte  sie  aber  zur  Züchtigung.  Die  Spiele  auf
dem  Gottesacker  untersagte  Samson  gänzlich,  lud  nunmehr  aber  die
Bürger  zu  sich  zur  Tafel  und  speiste  mit  ihnen  fröhlich.
Es  wurde  ihm  auch  von  Rom  aus  die  Gelegenheit  zur  Ausübung
der  päpstlichen  Gerichtsbarkeit  als  Judex  delegatus  geboten.  Als
solcher  fungirte  er  namentlich  im  Jahre  1197  in  Gemeinschaft  des
Erzbischofs  von  Canterbury  und  des  Bischofs  von  Lincoln  in  Betreff
einer  Streitsache  bei  der  Kirche  von  Coventry  4 ,  wo  man  die
Mönche  vertrieben  und  ihre  Stelle  durch  Cleriker  ersetzt  hatte  5 .
König  Richard  wünschte  einen  Aufschub  dieser  Sache  und  drückte
diesen  Wunsch  eigens  in  einem  sehr  freundlich  an  die  zu  Oxford
1)  J  o  c  e  I  i  n  pag.  25.
2 )  Uber  solche  Schauspiele.S.  meine  vermischten  Schriften,  Bd.  3.  S.  48  u.  fl‘.
3 )  J  o  c  e  I  i  n  pag.  68  sqq.
4 )  Die  päpstliche  Bestellung  von  Cölestin  III.  ist  vom  29.  December  1197.  (S.  Jaffe  n.
10G70).  S.  auch  Flor.  Wigorn.  II.  163.  (Migne,  Cursus  Patrol.  Tom.  CCVI.  col.
1234.  n.  327).
5 )  Jocelin  pag.  G9  sqq.  —  Vergl.  Pauli  (Lapp  en  h  e  r  g),  Geschichte  von  England, ­
  Bd.  3.
            
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