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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Totlington,  Abt  von  St.  Edmund.  205
unter  dem  Baume  der  Erkenntniss  dar;  darüber  befand  sich  das  Bild
des  Lammes  mit  dem  Kreuze t .
Die  vorerwähnte  Familie  des  Grafen  von  Cläre  erinnert  an
einen  andern,  freilich  unglücklichen  Bannerträger,  Heinrich  von
Essex,  dessen  hier  im  Vorübergehen  um  so  mehr  zu  gedenken  ist,
als  sich  in  der  Chronik  des  Jocelinus  eine  ihn  betreffende  Einschaltung ­
  findet 2 .  Samson  besuchte  nämlich  eines  Tages  die  Abtei
Reading  und  lernte  hier  einen  Mönch  kennen,  der  ihm  seine  unglückliche ­
  Lehensgeschichte  erzählte.  Er  war  jener  erbliche  Reichsbannerträger ­
  Heinrich  von  Essex,  welcher  in  der  den  Walisern  im
Jahre  11S7  gelieferten  Schlacht  von  Coleshell“  so  den  Kopf  verlor, ­
  dass  er  in  der  Meinung,  der  König  sei  getödtet,  die  Standarte
wegwarf.  Roger,  Graf  von  Cläre,  mit  den  Seinigen  hinzueilend,
nahm  das  königliche  Banner  wieder  auf  und  brachte  das  schon  fliehende ­
  Heer  zum  Stehen.  Schon  damals  zieh  Robert  von  Montfort, ­
  Heinrich’s  Verwandter,  denselben  des  Ilochverraths,  doch  erst
als  im  Jahre  1163  der  Krieg  gegenWales  vonNeuem  begonnen  werden ­
  sollte,  kam  es  zum  gerichtlichen  Processe,  in  welchem  Robert  seinen ­
  Verwandten  im  Zweikampfe  überwand.  König  Heinrich  schenkte
dem  Besiegten  das  Leben,  dieser  aber  wurde  nunmehr  Mönch  zu
Reading.  Er  erzählte  dem  Abte,  dass  ihm  bei  jenem  Zweikampfe
der  heilige  Edmund  und  der  verstorbene  Ritter  Gilbert  de  Ceriville
  erschienen  sei;  jener,  den  er  vielfach  in  seinen  Gerechtsamen
gekränkt,  dieser,  den  er  auf  Veranlassung  seiner  Frau,  Putipbar  vergleichbar, ­
  im  Kerker  hatte  verschmachten  lassen.
Einiger  der  Vasallen  des  Abtes  hat  Joeelin  noch  besonders  gedacht, ­
  namentlich  der  Familien  Cokefeld  und  Blund,  und  zwar  im
Zusammenhänge  mit  einigen  nicht  uninteressanten  Rechtsverhältnissen.
Schon  früher  wurde  Robert  von  Cokefeld  erwähnt,  welcher  während
der  Sedisvacanz  nach  dem  Tode  des  Abtes  Hugo  Einer  der  Baillivi
oder  Commissarien  war,  welche  die  Abtei  im  Namen  des  Königs  in
die  Hand  nahmen.  Derselbe  hatte,  wie  schon  sein  Vater  Adam  und
sein  Grossvater  Lemmer,  mehrere  Besitzungen  von  St.  Edmund  zu

*)  Lydgate  (s.  obenS.  124.)  lässt  schon  den  heiligen  Edmund  selbst  das  Bannertragen.
2 )  Joeelin  pag.  50  sqq.
3 )  Vergl.  darüber  Lyttelton  I.  c.  —  Pauli  (Lappenberg)  Geschichte  von  England,
ßd.  3.  S.  11.  Hok  e  wo  o  d  ,  Notes  pag.  136.
            
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