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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

ter  des  Schreines  und  sechs  andere  Mönche,  im  Ganzen  also  nur  zwölf
Personen  dazu  gezogen;  es  hatten  sich  aber  ausserdem  noch  sechs
andere  Mönche  eingefunden  und  oben  am  Dache  belauschten
Einige  die  nächtlicheScerie;  derübrigeConvent  wurde  aber  zu  seinem
nachmaligen  Leidwesen  im  Schlafe  nicht  gestört.
Zu  jener  Handlung  hatten  sich  der  Abt  und  die  von  ihm  dazu
auserkorenen  Zwölf  in  Alben  gekleidet,  sie  traten  hinzu  und  lösten
mit  einiger  Schwierigkeit  den  mit  sechzehn  Nägeln  befestigten
Deckel  von  dem  Sarge  ab;  alsdann  mussten  alle  übrigen  sich  zurückziehen ­
  ,  nur  der  Abt,  der  Sacrista  und  Walter  der  Arzt  blieben.
Diese  fanden  den  Sarg  so  völlig  von  dem  Körper  des  königlichen
Märtyrers  ausgefüllt,  dass  weder  oberhalb  des  Hauptes  oder  unterhalb ­
  der  Füsse  auch  nur  eine  Nadel  Platz  gehabt  hätte;  jenes  lag
wenig  erhoben  auf  einem  kleinen  Kissen.  Bei  näherem  Anschauen
fand  Samson,  dass  der  ganze  Körper  in  einen  seidenen  Schleier  und
dann  noch  in  ein  Linnentuch  von  wunderbarer  Weisse  eingehüllt
war;  über  das  Gesicht  war  ausserdem  ein  leinenes  und  ein
äussert  feines  seidenes  Tuch  gelegt.  Nachdem  man  diese  Hüllen
entfernt  hatte,  zeigte  sich,  dass  der  heilige  Leib  ganz  mit  Linnen
bekleidet  war,  doch  so,  dass  man  nunmehr  die  Lineamente  deutlich
erkennen  konnte.  Jetzt  hielt  der  Abt  inne  und  erklärte,  er  wage
nicht  weiter  vorzugehen;  er  nahm  das  heilige  Haupt  in  seine  Hand
und  sprach  seufzend:  „Glorreicher  Märtyrer,  heiliger  Edmund,  gesegnet ­
  sei  die  Stunde,  in  welcher  du  geboren  wurdest.  Glorreicher
Märtyrer,  wende  es  mir  nicht  zum  Verderben,  dass  ich,  ein  elender ­
  und  sündhafter  Mensch,  es  gewagt  habe,  dich  zu  berühren;  du
kennst  meine  Dir  ergebene  Liebe  und  die  Absicht  meines  Herzens.“
Hierauf  berührte  er  die  Augen  und  die  sehr  stark  hervorragende
Nase,  dann  die  Brust  und  die  Arme;  alsdann  erhob  er  den  linken
Arm,  berührte  die  Finger  und  legte  zwischen  sie  seine  eigenen  Finger. ­
  Die  Füsse  wurden  steif  aufrecht  stehend  wie  die  eines  Menschen ­
  befunden,  der  etwa  gestern  gestorben  wäre;  Samson  berührte ­
  die  Zehen  und  zählte  sie.  Nachdem  diess  geschehen,  wurden
auch  jene  andern  Brüder  herbeigerufen;  sie  sahen  Alle  den  heiligen
Leib,  Einer  aber,  Turstan  der  Kleine,  streckte  seine  Hand  aus  und
berührte  die  Kniee  und  Füsse  des  Heiligen.  Kaum  war  diess  geschehen, ­
  so  beeilte  man  sich,  Alles  wiederum  in  die  frühere  Ordnung  zu
bringen;  neben  dem  Engel  wurde  auch  wieder  das  Futeral  aufge-
            
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