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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

eine  mit  Gold  durchwebte  Mitra,  Sandalen  und  seidene  Stiefeln  und
einen  zierlich  gearbeiteten  Bischofsstab  von  Silber.  Dennoch  wurde
ihm  der  Vorwurf  des  Geizes  gemacht:  „er  nehme“,  so  hiess  es  i ,  „für
sich  die  Einkünfte  der  Sacristei  in  Anspruch;  er  lasse  das  Getreide
liegen,  bis  er  es  theuer  verkaufen  könne,  er  belaste  durch  seine
häufige  Abwesenheit  den  Cellerarius  mit  der  Aufnahme  der  Gäste“
u.  s.  w.  Allein  Jocelin  gibt  hier  die  Erklärung  ah:  Samson  empfange
nichts  von  der  Sacristei,  was  nicht  durchaus  zum  Vortheil  der  Kirche
verwendet  werde  und  das  könne  selbst  der  blasse  Neid  nicht  leugnen;
auch  habe  Samson  aus  den  Oblationen  in  Zeit  von  fünfzehn  Jahren
Grösseres  und  Besseres  zu  Stande  gebracht,  als  früher  in  vollen
vierzig  Jahren  geschehen  sei.  Für  Samson’s  öftere  Abwesenheit
fand  Jocelin  die  Entschuldigung,  dass  der  Abt  leider  nur  zu  sehr
Veranlassung  habe,  auswärts  fröhlicher  und  heiterer  zu  sein,  als
daheim,  wo  er  über  alles  Mass  von  den  Leuten,  insbesondere  von
den  vielen  Gästen  überlaufen  werde;  es  sei  daher  auch  gar  nicht  zu
verwundern,  wenn  er  oft  ein  verdriessliches  Gesicht  mache.  Jocelin
bemerkt  dabei,  es  sei  freilich  wahr,  dass  die  Gäste,  obschon  er  sie
gut  in  Speis’  und  Trank  halte,  ihm  seine  unfreundliche  Miene  übet
nehmen.  Eines  Tages  fasste  sich  unser  guter  Chronist  ein  Herz  und
sprach  zu  seinem  Abte:  „Zwei  Dinge  sind  es,  die  mir  an  Euch  auffallen;
  das  Eine,  dass  Ihr  auch  noch  in  Eurem  gegenwärtigen  Stande
der  Schule  von  Melun  (Abälard)  darin  anhänget,  dass  aus  dem
Falschen  Nichts  hervorgehen  könne,  und  das  Zweite,  dass  Ihr  zu  Hause
kein  so  freundliches  Gesicht  macht  wie  auswärts  und  nicht  unter
Euern  Brüdern  verweilet,  die  Euch  lieben  und  liebten  und  Euch
zu  ihrem  Herrn  erwählt  haben,  und  selten  unter  ihnen  und  auch
dann  nicht  fröhlich  seid“.  Während  Samson  auf  das  Erstere  sich
nicht  weiter  einliess  senkte  er  beim  Zweiten  ernsten  Blickes
das  Haupt  und  antwortete:  „Du  bist  ein  Thor  und  redest  thöricht;
du  solltest  wissen,  was  Salomon  sagt:  „„Viele  Töchter  hast  du,
zeige  ihnen  kein  freundlich  Gesicht““  2 .  Ich  schwieg,  doch  sagte

!)  Jocelin  pag.  2o  sqq.
2 )  Jocelin  pag.  26.  welcher  die  Stelle  hei  Jesus  Sirach  (Eccli.  VII.  26)  Salamon
zuschreibt,  gibt  dieselbe,  wohl  aus  einem  Gediichlnissfehler,  also  wieder:  „Filie
tibi  sunt  multe:  vultum  propicium  ne  ostendas  eis“;  sic  lautet  in  der  V  u  I  g  a  ta :
„Filiae  tibi  sunt  :  serva  corpus  illarum  et  non  ostendas  bilarem  faciein  tuain  ad  illas“  •
            
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