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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Al»t  von  St.  Edmund.

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Gläubiger  plagten  ihn  so  sehr,  dass  er  darüber  den  Schlaf  verlor  <,
blass  und  mager  wurde  und  oft  sagte:  „Nie  wird  mein  Herz  zur
Ruhe  kommen,  bis  dass  nicht  alle  Schulden  bezahlt  sind“.  Die
Zudringlichkeit  der  Juden  mag  auch  einigen  Antheil  daran  gehabt
haben,  dass  er  sich  um  so  mehr  an  die  damals  allgemein  in  England
ergriffene  Massregel  anschloss,  die  Juden  aus  dem  ihm  untergebenen ­
  Gebiete  zu  vertreiben 2 .  Damit  war  wenigstens  den  leichtsinnigen ­
  Schuldenmachern  in  seinem  Kloster  eine  bequeme  Gelegenheit
entzogen;  Jocelin  rühmt  daher  seinen  Abt  wegen  dieser  Massregel
ausnehmend  2 .
Samson  wusste  alle  Verhältnisse  wohl  zu  ordnen  und  verstand
es  insbesondere,  mit  einer  weisen  Sparsamkeit  die  Aufrechterhaltung
der  äusseren  Würde  des  Abtes  als  eines  Lords  zu  vereinigen.
Er  batte  eine  bedeutende  Hofhaltung»,  einen  grossen  Marstall 5
und  überhaupt  alle  für  seine  Stellung  erforderlichen  Anstalten  und
hielt  mit  Nachdruck  darauf,  dass  in  diesem  Verhältnisse  kein  Abbruch
geschah.  Als  daher  der  Bischof  von  Ely  in  seiner  Eigenschaft  als
päpstlicher  Legat  im  Jahre  1190  auf  einem  Concilium  zu  London
den  Äbten  eine  bestimmte  Anzahl  von  Pferden  vorschreiben  wollte,
entgegnete  Samson 8 :  „Ich  habe  die  Baronie  des  heiligen  Edmund
und  seine  Herrschaft  zu  bewahren;  mir  genügen  nicht  dreizehn
Pferde,  wie  manchen  anderen  Äbten,  ich  bedarf  deren  mehr,  um
für  die  Aufrechterhaltung  der  königlichen  Gerichtsbarkeit  zu
sorgen“.  Dabei  war  er  gern  geneigt,  den  Convent  durch  Geschenke
zu  erfreuen;  nie  kehrte  er  von  einer  Reise  zurück,  ohne  dem  Kloster
allerhand  werthvolle  Sachen  mitzubringen 7 .  So  schenkte  er  im
Jahre  1198,  aus  der  Normandie  heimkehrend,  trotz  der  grossen
Ausgaben,  die  ihm  diese  Reise  verursacht  hatte,  dem  Convente  doch
noch  ein  goldenes  Kreuz  und  ein  kostbares  Evangeliarium  im  Werthe
von  achtzig  Mark.  Ein  anderes  Mal  überreichte  er  seinen  Brüdern

^Jocelin  pag.  23.
2 )  Jocelin  pag.  33.
3 )  S.  unten  XIV.  S.211.
4 )  Jocelin  pag.  30.
5 )  Jocelin  pag.  19.
6 )  Jocelin  p.  38  sqq.
7 )  Jocelin  pag.  64.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  XLVIIf.  Bd.  I.  Hft.

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