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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

es  insbesondere  hervor,  dass  er  nicht  im  Stande  sei,  so,  wie  es  von
einem  Prior  gefordert  werde,  eine  gute  Predigt  im  Capitel  zu  halten.
Indessen  Samson  versicherte  ihn,  es  komme  nicht  darauf  an,  schöne
Phrasen  zu  machen  und  grosse  Gelehrsamkeit  herauszukramen,
sondern  vielmehr  darauf,  die  Gemiither  zu  erbauen.  Hierauf  küsste
Herebert  dem  Abte  die  Füsse  und  dieser  installirte  ihn  als  Prior.
Jocelin  aber,  damals  Hospitiarius,  stellte  in  der  Stille  seines  Kämmerleins ­
  Betrachtungen  über  dasjenige  an,  was  er  gesehen  und  gehört
hatte,  so  wie  darüber,  wie  doch  Herebert  habe  Prior  werden  können.
Er  kam  aber  schliesslich  zu  dem  Resultate,  dass  der  Abt  eigentlich
gar  nicht  so  übel  gewählt  habe.  Herebert's  äussere  Erscheinung,  sein
freundliches,  heiteres  Wesen,  sein  wohlwollendes  Benehmen  und
viele  andere  schöne  Eigenschaften,  darunter  auch  seine  Geläufigkeit
in  der  französischen  Sprache,  machten  ihn,  obschon  es  ihm  etwas  an
wissenschaftlicher  Bildung  mangelte,  empfehlenswerth.  Alles  in  Allem
gerechnet  wurde  Jocelin  so  froh  angeregt,  dass  sich  ihm  eine  Thräne
der  Rührung  aus  dem  Auge  stahl;  doch  sagte  er  zu  sich  seihst:
„Lobe  nicht  zu  früh,  warte  die  weiteren  Erfolge  ab“.  Wir  wollen
wünschen,  dass  der  gute  Jocelin  noch  rechte  Freude  an  dem  neuen
Prior  erlebt  haben  möge;  lange  hat  sie  jedoch  nicht  gedauert,  denn
er  starb  im  Jahre  darauf.

XI.
Samson’s  Verwaltung  der  Güter  der  Abtei.
Während  bis  zu  dem  Zeitpuncte,  so  weit  die  Chronik  des
Jocelin  reicht,  die  leichtsinnige  Wirthschaft  der  meisten  Vorstände,
unter  denen  jedoch  Jocellus  eine  Ausnahme  macht  i,  trotz  aller
Gegenhemühungen  des  Abtes  fortdauerte,  hatte  Samson  nicht  nur
den  ihm  als  dem  Abte  zustehenden  Theil  des  Klostervermögens  auf
das  Sorgfältigste  verwaltet,  sondern  auch  den  Convent  von  den
älteren  Schulden  befreit.  In  zwölf  Jahren  waren  alle  jene  Lasten  abgetragen ­
  2,  welche  aus  der  Zeit  des  Abtes  Hugo  herrührten.  Diese
Schulden  hatten  ihm  grosse  Sorgen  gemacht;  die  ihm  nachlaufenden

*)  Jocelin  pag-.  90.
            
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