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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.

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lieber  abgeselzt  werden,  als  gegen  den  Willen  des  Conventes  handeln
und  Viele  sagten,  das  Gebot  des  Abtes  sei  nicht  zu  befolgen.  Lange
dauerte  es,  bis  sich  in  dem  allgemeinen  Tumult  die  Besonneneren
das  Wort  verschaffen  konnten:  sie  erinnerten  ihre  Brüder  an  die
Pflicht  des  Gehorsams  in  allen  Dingen,  die  nicht  wider  Gott  seien
und  erklärten,  man  müsse  sich  in  diese  Demüthigung  um  des  Friedens ­
  willen  fügen,  damit  nicht  noch  Schlimmeres  geschehe.  Aber
die  Novizen  und  ein  grosser  Theil  des  Conventes  wollte  sich  nicht
fügen;  der  Prior  intonirte,  wie  üblich,  den  Psalm:  „Verba  mea u  1
für  die  Verstorbenen,  aber  der  Lärm  unterbrach  ihn.  Endlich  fand
die  Stimme  der  Ordnung  mit  Mühe  Gehör.  —  Der  Abt,  von  diesen
Vorgängen  in  Kenntniss  gesetzt,  bemühte  sich,  mit  glücklichem  Erfolge, ­
  mehrere  Mönche  für  sich  zu  gewinnen  und  drohte,  er  werde
wegen  der  wider  ihn  angezettelten  Verschwörung,  bei  der  es  auf
sein  Leben  abgesehen  sei,  nicht  mehr  zurückkehren.  Endlich  Hess
er  sich  bewegen,  zu  kommen;  zurückgekehrt,  befahl  er,  das  derjenige ­
  unter  den  Mönchen,  auf  welchem  der  meiste  Verdacht  ruhte,  vor
ihm  erscheinen  solle.  Dieser  kam  nicht;  Samsonexcommunicirte  ihn
und  liess  ihn  einen  Tag  hindurch  gefesselt  in  der  Infirmerie  über  sein
Vergehen  nachdenken;  ausser  diesem  wurden  noch  drei  Andere  mit
gelinderen  Strafen  angesehen.  Jetzt  kam  der  Convent  zur  Besinnung: ­
  man  erschien  demüthig  vor  dem  Abte  und  bat  ihn  um  Verzeihung. ­
  Samson  beharrte  zwar  auf  seinem  Bechte,  aber  sein  Herz
wurde  gerührt  und  unter  Thränen  erklärte  er,  dass  er  der  Mönche
wegen,  als  auch  um  seinetwillen  noch  nie  so  tief  betrübt  worden
sei,  vornehmlich  da  der  Hader  im  Kloster  und  das  Gerücht,  man
wolle  ihn  tödten,  allgemein  bekannt  worden  sei.  Hierauf  söhnte
man  sich  brüderlich  aus;  „Samson  weinte,“  sagte  Jocelin,  „und
wir  weinten“.  Den  widerspänstigen  Mönchen  wurde  die  Strafe  erlassen ­
  und  dem  Pförtner  sein  Conredium  zurückgegeben.
Einige  Monate  später  wurde  Jocellus  von  seinem  Amte  entfernt;
an  seine  Stelle  trat  Roger  von  Hingham,  Samson’s  Gefährte  auf  der
Reise  nach  Rom  2 .  Aber  auch  mit  diesem  gab  es  allerhand  Anstände

*)  Psalm.  V.  (Offie.  Def.  ad  Malut.  in  pr.  Nocturn).
2 )  S.  oben  V.  S.  1  !>5.
            
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