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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.  187
zu  seinem  Amte  gelangt  zu  sein  Die  Veranlassung  dazu  wurde  durch
folgenden  Umstand  herbeigeführt:
Eine  vornehme  Person  wollte  eine  Vision  gehabt  haben-,
nach  welcher  der  heilige  Edmund  ausserhalb  seines  Schreines  liegend ­
  gesehen  worden  war,  seufzend,  dass  er  seiner  Kleider  beraubt, ­
  vor  Hunger  und  Durst  vergehe  und  dass  sein  Friedhof  und
die  Vasallen  der  Kirche  nachlässig  bewacht  wurden.  Samson  trug
diess  im  Convente  vor  und  bemerkte:  „Der  heilige  Edmund  sagt,
dass  er  nackt  sei,  weil  Ihr  Eure  alten  Kleider  den  nackten  Armen
entziehet  und  mit  Widerstreben  das  gebet,  was  Ihr  zu  geben  verpflichtet ­
  seid,  insbesondere  von  Speis’  und  Trank;  auch  ist  die  Unaufmerksamkeit ­
  und  Nachlässigkeit  des  Sacrista  und  seiner  Gehilfen
durch  das  neuliche  Brandungluck 3  offenbar  geworden.“  Manche  der
Brüder  versuchten  den  durch  diese  Rede  betrübten  Convent  mit  einer
andern  Interpretation  jenes  Gesichtes  zu  trösten:  „Die  nackten  Glieder ­
  des  heiligen  Edmund  sind  wir  und  sein  nackter  Leib  ist  der
Convent,  denn  wir  sind  unserer  alten  herkömmlichen  Einkünfte  und
Freiheiten  beraubt.  Der  Abt  hat  Alles:  die  Kammer,  die  Sacristei
und  Cellerarie  und  wir  kommen  vor  Hunger  und  Durst  um,  die  wir
unsere  Nahrung  nur  von  dem  Cleriker  des  Abtes  und  seiner  Verwaltung ­
  beziehen.  Waren  die  Wächter  des  Grabes  nachlässig,  so
möge  der  Abt  selbst  es  sich  zuschreiben,  denn  er  hat  sie  bestellt“.
Hiervon  wurde  dem  Abte  gelegentlich  auf  seiner  Rückreise  von
London  Mittheilung  gemacht,  worüber  er  sich  sehr  erzürnte  und
sprach:  „Sie  wollen  den  Traum  auf  mich  verdrehen;  beim  Antlitz
Gottes!  sobald  ich  nach  Hause  komme,  werde  ich  ihnen  die  herkömmlichen ­
  Einnahmen,  die  sie  die  ihrigen  nennen,  zurückgeben,
werde  meinen  Cleriker  von  der  Seite  des  Cellerarius  hinwegnehmen ­
  und  sie  sich  selbst  überlasen  und  dann  ihre  Weisheit  zu
Ende  des  Jahres  erkennen.  Ich  habe  dieses  Jahr  hindurch  im
Kloster  mich  aufgehalten  und  habe  die  Cellerarie  ohne  Schulden
verwaltet  und  dafür  danken  sie  mir  so!“

1 )  S.  unten  S.  188.
2 )  Jocelin  pag.  80  sqq.
3 )  S.  unten  XII.  S.  198.
            
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