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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottinglon,  Abt  von  St.  Edmund.

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Sitzung  des  Capitels  Statt;  abermals  sprach  der  Abt:  „Gebet  mir
einen  Rath  ,  wie  Eure  Cellerarie  besser  und  verständiger  verwaltet
werden  könne!“  Alles  schwieg;  endlich  fasste  sich  Einer  das  Herz
zu  der  Bemerkung,  dass  in  dem  Refectoriuin  wahrlich  kein  Überfluss
wahrzunehmen  sei,  durch  welchen  etwa  das  Schuldenmachen  veranlasst ­
  worden  sein  könnte.  Man  sieht,  wie  die  Klosterbeamten  die
Mönche  in  Furcht  gehalten  haben  müssen,  da  man  kaum  wagte,  auch
nur  eine  indirecte  Andeutung  zu  machen,  wo  eigentlich  der  Sitz  des
Übels  sei;  ja  es  scheint  der  Cellerarius  gab  den  Mönchen,  während
er  selbst  im  Überflüsse  lebte,  nur  sehr  schlechte  Kost  *.  Am  Tage
darauf  wiederholte  sich  dieselbe  Scene;  der  Abt  fordert  den  Convent
auf,  ihm  zu  rathen;  der  Convent  schweigt.  Endlich  sagt  Einer:  „Der
Rath  muss  von  Euch  ausgehen,  Ihr  seid  unser  Haupt!“—„Nun  wohl
denn“,  sprach  Samson,  „wenn  Ihr  also  keinen  Rath  geben  wollet
und  es  nicht  versteht,  Euer  Haus  durch  Euch  selbst  zu  regieren,  so
liegt  mir,  als  Euerm  Vater  und  höchsten  Wächter,  die  Sorge  für
das  Kloster  ob;  ich  werde  Eure  Cellerarie  in  meine  Hand  nehmen,  so
wie  die  Ausgaben  für  die  Spenden  nebst  aller  Beköstigung  innen  und
aussen“.  Nachdem  der  Abt  diess  gesprochen,  setzte  er  den  Cellerarius
und  den  Hospitiarius  ab  und  bestellte  zwei  Mönche  als  Subcellerarius
undSubhospitiarius 3 ,  deren  jedem  er  einen  Cleriker  seines  Haushaltes
beiordnete,  ohne  dessen  Zustimmung  nichts  in  Beziehung  auf  Speise
und  Trank,  Ausgaben  und  Einnahmen  vorgenommen  werden  durfte.
Auch  wurden  die  Einkäufer  von  Lebensmitteln  3  abgeschafft  und  ihr
Geschäft  ebenfalls  einem  Cleriker  übertragen.
Während  nunmehr  die  Gäste  nach  Gebühr  aufgenommen  und
alle  Mönche  im  Refectorium  gehörig  beköstigt  wurden,  gelang  es
doch  noch  Ersparnisse  zu  machen.  Die  Mönche  unter  sich  gestanden ­
  zu:  „Sieben  waren  es,  ja  sieben,  die  unsere  Güter  aufgezehrt
haben,  und  wenn  Jemand  über  ihre  Schmausereien  ein  Wörtchen
sagte,  so  war  es  ein  Majestätsverbrechen“.  Ja  dankbar  streckte
Mancher  die  Hand  in  die  Höbe  und  sprach:  „Gepriesen  sei  Gott

A )  Jocel  i  n  pag.  Go.
2 )  Joceliu  war  im  folgenden  Jahre  Hospitiarius  (Jocelin  pag.
ihm  das  Amt  schon  damals  übertragen,  wobei  freilich  sein
auffallend  erschiene.
3 )  S.  oben  IH.  S  iöl.

95)  ;  vielleicht  wurde
Stillschweigen  darüber
            
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