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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

Allein  die  Nachwehen  der  früheren  völligen  Verwahrlosung
machten  sich  immer  von  Neuem  geltend  und  selbst  diese  Massregel
wollte  nicht  helfen.  Im  Jahre  1197  erreichte  in  der  Tliat  die
schlechte  Wirthschaft  in  der  Verwaltung  der  Conventsgüter  ihren
Gipfel  i.  Der  Cellerarius  behauptete  stets,  dass  er  mit  dem  Zuschüsse ­
  von  fünfzig  Pfund  nicht  auskommen  könne  und  der  ihm  beigeordnete
  Cleriker  scheint  ebenfalls  seine  Pflichten,  deren  Erfüllung
allerdings  schwierig  war,  nicht  gethan  zu  haben.  Jenes  Geld  wurde
dem  Cellerarius  monatlich  ausgezahlt  und  eben  diesen  Umstand  gab
er  als  eine  besondere  Ursache  an,  warum  er  nicht  auskommen  könne;
würde  ihm  das  Geld  jährlich  auf  einmal  gegeben,  so  könnte  er  sich
besser  vorsehen.  Dem  Abte  wollte  diess  Argument  zwar  ganz  und
gar  nicht  einleuchten,  indessen  er  gab  nach.  Und  was  war  die  Folge
davon  ?  Zu  Anfang  des  Monats  August  hatte  der  Cellerarius  nicht  nur
Alles  ausgegeben,  sondern  war  noch  zwanzig  Pfund  schuldig,  und
bis  zu  Michaelis  stieg  die  Summe  dieser  Schuld  bis  auf  fünfzig  Pfund.
Als  der  Abt  diess  vernahm,  versammelte  er  das  Capitel  und  sprach:
„Schon  öfters  habe  ich  Euch  damit  gedroht,  dass  ich  die  Cellerarie
in  meine  Hand  nehmen  werde,  da  Ihr  durch  Eure  Nachlässigkeit  und
Unbesonnenheit  Euch  immer  tiefer  in  Schulden  verstricket.  Ich  habe
meinen  Cleriker  dem  Cellerarius  als  Zeugen  zur  Seite  gestellt,  damit
besonnener  zu  Werke  gegangen  werde,  aber  kein  Cleriker  und  kein
Mönch  wagt  es,  mir  die  eigentliche  Ursache  des  Schuldenmachens
zu  entdecken.  Es  wird  jedoch  erzählt,  dass  in  dem  Gastzimmer  des
Priors  mit  dessen  und  des  Cellerarius  Zustimmung  unmässige  Gelage
gehalten  und  dass  auch  in  dem  Krankenhause  aus  Sorglosigkeit  des
Hospitiarius  ganz  überflüssige  Ausgaben  gemacht  werden.  Ihr  sehet
jetzt,  welche  Schuldenlast  aufgelaufen  ist;  gebt  mir  einen  Rath,  wie
hier  abgeholfen  werden  kann“.  —  Manche  unter  [den  Mönchen,  im
Stillen  lächelnd,  vernahmen  diese  Rede  nicht  ungern  und  sagten
unter  sich  insgeheim:  „Wahr  ist’s,  was  der  Abt  gesprochen  hat“.
Wie  es  nun  in  solchen  Fällen  zu  gehen  pflegt,  der  Eine  schob  die
Schuld  auf  den  Andern,  der  Prior  auf  den  Cellerarius,  der  Cellerarius
auf  den  Hospitiarius,  jeder  aber  wollte  sich  weiss  waschen.  „Wir
wussten,“  sagt  Jocefin,  „recht  gut,  wie  die  Dinge  standen,  aber  wir
schwiegen  aus  Furcht“.  Am  folgenden  Tage  fand  eine  abermalige

l)  J  o  c  e  1  i  ii  pag.  64.
            
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