Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottiugton  Abt  von  Sf.  Edmund.

179

rissenen  Missbrauche  so  gross,  dass  sie  einer  schleunigen  Abhilfe
bedurften.  Die  kostbarsten  Kircbensachen  waren  in  den  Händen  der
Juden  und  es  hatte  während  der  Sedisvacanz  die  Ausfertigung  neuer
Sehulddocurnente  ununterbrochen  ihren  Fortgang  gehabt.  Samson
konnte  daher  nicht  umhin,  gleich  in  seiner  ersten  Capitelsitzung
nachdem  er  dem  Convente  eine  demselben  zustehende  Revenue  zurückgestellt ­
  hatte,  streng  anzuordnen,  dass  Niemand  fernerhin  irgend
welche  Kirchensachen  verpfände  oder  Urkunden  unter  dem  Conventssiegel ­
  ohne  Zustimmung  des  Conventes  ausfertigen  solle.  Aber  damit
allein  war  noch  nicht  geholfen;  es  batten  sich  viele  Mönche  ihre  Privatsiegel ­
  anfertigen  lassen  und  somit  forderte  Samson  auch  diese  alle
heraus;  es  wurden  ihm  drei  und  dreissig  Siegel  abgeliefert,  von
denen  er  dem  Prior  and  dem  Sacrista  die  ihrigen  wieder  zustellte 2 ,
wie  er  denn  auch  selbst  eine  Zeit  lang,  ehe  er  sich  ein  neues  Siegel
anfertigen  liess,  sich  dessen  des  Priors  bediente 3 .  Es  ist  ersichtlich,
wie  weit  die  Mönche  sich  mit  ihrem  Schuldenmachen  von  ihrem
Gelübde  der  Armuth  entfernt  hatten  und  es  musste  Samson  in  aller
Weise  darauf  bedacht  sein,  diesem  Grundgesetze  des  Klosterlebens
wieder  Anerkennung  zu  verschaffen.  Die  Mönche  mussten  daher  ihre
Kisten  und  Kasten  öffnen  und  ihre  Baarschaften  herausgeben;  fortan
sollte  das  Gebot  der  Armuth  strenge  beobachtet  werden  und  nur
so  viel  gestattete  Samson  im  Allgemeinen,  dass  der  Einzelne  bis  zum
Betrage  von  zwei  Schillingen,  wenn  ihm  etwa  so  viel  Pfennige  von
Verwandten  gegeben  waren,  zu  wohlthätigen  Zwecken  sollte  verfügen
können 4 .  Aber  noch  in  später  Zeit  kommt  ein  Beispiel  frecher
Überschreitung  dieses  Gebotes  vor:  ein  sonst  in  der  Verwaltung  der
Klostergüter  brauchbarer  Mönch,  Galfried  Ruffus,  fing  ein  sehr
weltliches  Leben  an  und  nachdem  auch  seine  lncontinenz  ruchbar
geworden  war,  untersuchte  man  seine  Kisten  und  fand  —  200  Mark
in  Gold  und  Silber 5 .

*)  Jo  c  el  i  n  pag.  22.
")  J  o  c  ei  i  n  pag.  36,
3 )  J  o  ce  I  i  n  pag.  19.
4 )  J  ocelin  pag.  22.
5 )  J  o  c  e  I  i  n  pag.  90.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.