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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillip*

dein  Homagium  entgegenzunehmen,  weil  diese  Verleihung  dem
Hofe  von  Aelmeswell  zum  Nachtheil  gereicht;  indessen  länger  kann
ich  doch  nicht  widerstehen,  im  Angedenken  an  die  Wohlthat,
welche  dein  Vater,  als  ich  in  Fesseln  mich  befand,  mir  erwies,  indem ­
  er  mir  von  dem  Weine  sandte,  den  sein  Abt  trank  und  mir
dabei  sagen  liess,  ich  solle  im  Herrn  bekräftigt  sein.“  Dem  Magister
Walter,  dem  Sohne  des  Magisters  Wilhelm  von  Dice,  welcher  ihn  um
eine  Vicarie  bat,  erwiederte  er:  „Dein  Vater  liess  mich,  als  ich  ein
armer  Cleriker  war,  ohne  alles  Entgelt  und  aus  blosser  Liebe  in
seine  Schule  gehen  und  gab  mir  Gelegenheit  zum  Lernen;  daher
verleihe  ich  dir,  im  Gotteswillen,  was  Du  begehrst.“  Strenger  aber
war  Samson  gegen  einen  Ritter,  der  ihm  einstmals  auf  einer  Reise
nachDurham  den  Eintritt  in  sein  Haus  verweigert  hatte,  worauf  dann
ein  Anderer  ihn  ehrenvoll  aufnahm.  Reide  befanden  sich  nachmals
gleichzeitig  iri  der  Lage,  ihm  eine  Strafe  von  einem  Pfunde  Sterling
zu  zahlen;  diesem  erliess  er  sie,  jenem  nicht.  Dennoch  sagte  man
ihm  nach,  sein  Sinn  neige  mehr  zur  Gerechtigkeit  als  zur  Barmherzigkeit, ­
  indem  er  selten  da  Etwas  nachliess,  wo  er  ein  Recht  hatte  es
zu  fordern  1 .
Seinem  Temperamente  nach  war  Samson  cholerisch,  allein  er
wusste,  mit  seltenen  Ausnahmen,  jede  heftige  Gemülhsaufwallung  zu
unterdrücken;es  mochte  ihm  unter  den  weiter  unten  zu  schildernden
Verhältnissen,  wie  sie  sich  in  seinem  Convente  vorfanden,  oft  ausserordentlich ­
  schwer  werden;  Jocelin,  der  hiebei  auf  die  Worte  Ovid’s 2
„Strangiilcit  inclusus  dolor  et  cor  estnat  intus“  hinwiess,  erwähnt 3 ,
dass  Samson  einmal  hei  einer  solchen  Gelegenheit  auf  den  Traum
von  dem  Wolfe  angespielt  habe,  indem  er  sich  Gewalt  anthun  müsse,
und  wie  ein  Wolf  in  seinem  Innern  wüthe,  um  nicht  durch  Wort  und
That  zu  wü.then.  Er  sah  und  hörte  Vieles  und  schwieg  dazu 4 !  Es
war  ihm  aber  nicht  zu  verdenken,  dass  er  unter  der  Bürde  seines
Amtes  manchmal  seufzte  und  manche  Nacht  schlaflos  zubrachte  und
dass  man  auf  seinem  Gesichte  es  las,  dass  seine  Brüder  ihm  keine
heiteren  Tage  bereiteten 6 .

*)  Jocelin  pag.  26.
2 )  Ov  id.  Trist,  EI.  I.  v.  63.
3 )  Jocelin  pag.  27.
4 )  Jocelin  pag.  28.
5 J  Jocelin  pag.  26.
            
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