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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.

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seitens  seiner  Dienerschaft  stets  stillschweigend  ertrug;  sei  es,  dass
er  die  geeignete  Zeit  abwartete,  wo  er  den  Schaden  gut  machen
konnte,  sei  es,  um  auf  diesem  Wege  grösserem  Schaden  vorzubeugen, ­
  Seinen  Verwandten  erzeigte  er  nicht  besondere  Theilnahme;
er  hatte  deren,  doch  diese  hatten  auch  ihn  meistens  vernachlässigt
und  sich  um  den  armen  Klosterbruder  nicht  gekümmert.  Als  Samson
aber  auf  dem  Wege  von  Waltham  nach  St.  Edmund  war,  da  kamen
auch  die  Verwandten  hinzugeströmt  und  boten  ihm  ihre  Dienste  an  i.
Er  nahm  diese  nicht  an,  nur  einen  Ritter,  der  Rede  mächtig  und
des  Rechtes  kundig,  behielt  er  bei  sich,  nicht  aus  Rücksicht  auf  die
Verwandtschaft,  sondern  wegen  seiner  Brauchbarkeit.  Seiner  bediente
er  sich  für  weltliche  Geschäfte,  da  er  damals  darin  noch  unerfahren
war;  er  hatte  noch  niemals  einer  Pfand-  oder  Bürgschaftsbestellung
beigewohnt.  Späterhin  stellte  er  auch  einige  seiner  Verwandten,
wenn  sie  wirklich  dazu  tauglich  waren,  in  seiner  vortrefflich  disciplinirten
  Haushaltung 2  und  auf  einzelnen  Höfen  an 3 ,  diejenigen
aber,  welche  er  als  ungetreu  befand,  entfernte  er  ohne  alle  Hoffnung
der  Rückkehr.
Jocelin  führt  noch  mehrere  charakteristische  Züge  an,  die  dazu
dienen,  um  Samson’s  Gemüthsart  und  dankbares  Herz  zu  erkennen.
Einen  Mann  niederen  Standes,  der  ihm  in  früherer  Zeit  treulich  gedient ­
  hatte,  sah  er  für  einen  lieben  Verwandten  an  und  sorgte  für  ihn
und  seine  Kinder;  einem  Sohn  desselben,  'einem  jungen  Cleriker,
gab  er  die  erste  Kirche,  die  seitdem  er  Abt  geworden,  seiner  Verleihung ­
  amheimfiel.  Jenem  Capellan,  welcher  ihn  in  Paris  während
seiner  Studien  unterstützt  hatte 4 ,  gab  er  ebenfalls  ein  kirchliches
Beneficium,  von  welchem  er  leben  konnte,  aber  auch  jenen  Diener
des  Abtes  Hugo,  der  ihm  nach  seiner  Rückkehr  aus  Italien  Fesseln
angelegt  hatte,  vergass  er  nicht;  er  gab  ihm  lebenslänglich  Lebensunterhalt ­
  und  Kleidung.  Dem  Sohne  des  Elias,  des  ehemaligen
Schenken  des  Abtes  Hugo,  sagte  er  bei  Gelegenheit,  als  ihm  dieser
das  Homagium  für  das  Landgut  ablegte,  welches  sein  Vater  zu  Lehen
getragen  hatte:  „Sieben  Jahre  lang  habe  ich  Anstand  genommen,

Jocelin  pa*r.  18.
")  Jocelin  pag>  32.
3 )  Jocelin  pag.  32.
4 )  Siehe  oben  V.  8.  133.
            
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