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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

bewahrt  werde.  Ich  höre  sie  sprechen,  aber  sie  täuschen  mich
nicht.“  Samson  lenkte  dann  die  Rede  auf  seinen  noch  im  Tode  so
arm  gewordenen  1  Vorgänger  Hugo,  der  durch  die  Schmeichler  verblendet ­
  ihnen  freien  Spielraum  gewährt  hatte.  Gegen  die  frühere
Verschwendung  stach  die  Massigkeit  und  Bescheidenheit  Samson’ s
in  allen  seinen  Ansprüchen  an  das  Leben  äusserst  vorteilhaft  ab  ;  was
früher  nicht  für  fünf  Tage  reichte  ,  genügte  jetzt  auf  acht,  ja  auf
zehn.  Alle  Woche  nahm  er  regelmässig  in  Person  die  Rechnungsablage ­
  vor.
Auffallend  erschien  es  unserm  Chronisten  a ,  dass  Samson  gerade
diejenigen  Mönche,  welche  ihm,  bevor  er  Abt  wurde,  besonders
nahe  gestanden  hatten,  selten  auf  Grund  seines  freundschaftlichen
Verkehres,  sondern  nur  dann  zu  irgend  welchen  Ämtern  befördete,
wenn  sie  dazu  tauglich  waren.  Jocelin  hätte  nur  das  zweite  Capitel
der  Regel  des  heiligen  Benedict  etwas  näher  ansehen  sollen,  die  da
lehrt,  dass  der  Abt  keinen  Unterschied  in  der  Person  machen  und
den  Einen  nicht  mehr  als  den  Andern  lieben  soll,  ausser  den  er  in
gutenWerken  und  in  dem  Gehorsam  besser  befindet.  Diesen  Grundsatz ­
  hatte  sich  Samson  als  Richtschnur  genommen,  wovon  freilich ­
  die  Folge  die  war,  dass  Manche  von  denen,  die  gerade  seine
Wahl  begünstigt  hatten,  sich  darüber  beklagten,  dass  er  ihnen  nicht
so  wohl  wolle,  wie  sie  es  um  ihn  verdient  hätten,  und  dass  gerade
Solche  von  ihm  bevorzugt  würden,  die  ihn  öffentlich  und  heimlich
herabsetzten,  ja  ihn  einen  zornmuthigen  und  ungefälligen  Mann,  sogar
einen  rohenNorfolkischen  Händelsucher  nannten.  Allein,  so  wie  Samson
einerseits  seinen  früheren  näheren  Freunden  bloss  aus  Rücksicht
darauf  keine  besondere  Liehe  und  Ehre  erwiess,  so  Hess  er  Andern
auch  nicht  darum,  weil  sie  ihn  nicht  gemocht  hatten,  Hass  und  Unfreundlichkeit ­
  angedeihen;  ja  er  vergalt  oft  Böses  mit  Gutem  und
erwiess  Wohlthaten  denen,  die  ihn  verfolgten.  Auch  hatte  er  den
eigenthümlichen  Zug  an  sich,  dass  er  denen,  die  er  auf's  Innigste
liebte,  niemals  oder  selten  eine  besonders  freundliche  Miene  zeigte,
ganz  im  Gegensätze  zu  dem  Spriichwort:  „Wo  deine  Liebe  ist,  da
ist  auch  dein  Auge.“  Auch  das  hebt  Jocelin  als  merkwürdig  an
Samson  hervor,  dass  er  alleBenachtheiligungen  in  weltlichen  Dingen

1)  S.  oben  IV.  S.  153
2 )  Jocelin  pag-,  31.
            
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