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Phillips
merkwürdigen Mannes zu machen und das Bild desselben, woraus
bisher allerdings schon einige frappante Züge hervorgetreten sind,
genauer auszuzeichnen.
VIII.
Samson's Persönlichkeit.
Samson 1 war, als man ihn zum Abte von St. Edmund erwählte,
siebenundvierzig Jahre alt; er war mittlerer Statur, sein Gesicht
war nicht rund, nicht oval, die Nase hervorragend, die Lippen stark,
die Stirne die eines Cato, die Augen krystallhell und scharfen durchdringenden
Blickes, sein Gehör fein, die Augenbraunen hoch und
buschig, so dass er sie öfters beschneiden liess; sein Bart war rötblich,
sein Haupthaar schwarz; schon damals zeigten sich einzelne graue
Haare, nach vierzehn Jahren war er schneeweiss; seine Stimme
wurde bei geringer Erkältung rauh. Eine ausserordentliche Massigkeit
zeichnete Samson aus; niemals konnte er unthätig sein, seine
Natur war kräftig, daher mochte er auch bis in sein Alter nicht gerne
fahren, sondern zog es vor, zu Fusse zu gehen oder zu reiten.
Auf die Nachricht, dass Jerusalem gefallen sei 2 ,legte er ein härenes
Gewand und ein Cilicium an, welches er fortan nicht von sich
that, zugleich enthielt er sich des Genusses des Fleisches; am liebsten
ass er süsse Milch, Honig und ähnliche Speisen. Überhaupt war
ihm die Speise gleichgiltig und niemals gestattete er, dass eine
schlechtere gegen eine bessere umgetauscht wurde. Aber wie er
Lügner, Schwätzer und Trunkenbolde hasste — denn wie Jocelin
sagt, die Tugend ehrt sich selbst und verachtet das Gegentheil —
so tadelte er auch diejenigen Mönche, welche mit Speise und Trank
unzufrieden waren, er seinerseits blieb auch als Abt bei seinem einfachen
Gebrauche.
Samson war beredt, Latein war ihm geläufig; er redete die
Sprache der Normannen und die ihm angestammte der Angel"
Sachsen, diese im Dialekt von Norfolk. Man muss sich hiebei daran
erinnern, dass damals in England die Sprache der Sieger noch von
*) Jocelin pag. 25 und 29 sqq.
2 ) In Betreff der Trauer und des Schreckens, die diese Nachricht im ganzen abendländischen
Europa verursachte, s. auch meine Vermischten Schriften Bd. 3. S. 173.