Samson von Tottington, Abt von St. Edmund. 169
Samson!“ Niemand erhob Einsprache, Einige schwiegen ganz, weil
sie weder den Einen noch den Andern verletzen -wollten.
Der König von diesen Vorgängen in Kenntniss gesetzt, liess
die Mönche zu sich kommen und sprach: „Ihr habt mir den Samson
präsentirt; ich kenne ihn nicht *; hättet Ihr mir Euern Prior genannt,
so würde ich ihn ohne Weiteres annehmen, da ich ihn schon gesehen
habe und kenne. Indessen — ich will doch thun, wie Ihr wollet;
hütet Euch — bei den wahren Augen Gottes 2 ! — habt Ihr übel
gelhan, so halte ich mich an Euch!“ Er fragte dann den Prior,
oh auch er zustimme und dies wolle; Robert erklärte seine Zustimmung
mit dem Beifügen, dass Samson noch viel höherer Ehre würdig
sei. Samson warf sich hierauf vor dem Könige auf die Kniee, stand
dann aber rasch auf, ging zum Altar und stimmte mit den Brüdern
das „Miserere mei Deus“ an; er that dies Alles ohne eine Miene
zu verändern, das Haupt kräftig empor gehoben. „Bei den Augen
Gottes“ — rief der König — „der scheint der Abtei würdig zu sein,
für die er erwählt ist!“
Allmählich kam die Nachricht von dem, was zu Waltham
geschehen, nach St. Edmund; alle Mönche waren erfreut, auch
einige, aber nur wenige von den Klosterbeamten. Jene sagten: „So
ist’s recht“; diese: „keineswegs; wir sind Alle hinter’s Licht geführt.“
Samson empfing alsbald zu Waltham von dem Bischof von
Winchester unter dem Beistände des Bischofs Augustin von
Waterford zu Merevell 3 am 28. Februar 1182 die Benediction. Als
jener ihm die Mitra aufsetzte und den Ring an den Finger steckte,
sprach er: „Diess ist die Zierde unter den Äbten von St. Edmund
das weiss ich schon lange“. Der neue Abt sendete darauf seine Begleiter,
bis auf drei, voraus und kündigte seine Ankunft auf den
Palmsonntag an.
Ehe wir nun den Abt Samson auf seiner Reise bis zu seinem
Eintritte in die Klosterhallen von St.Edmund begleiten, erscheint es
doch geeignet, etwas nähere Bekanntschaft mit dem Charakter dieses
*) Dass Samson des Königs Beichtvater gewesen sei, wie mit Bezug auf Regist r.
Pyncheb. behauptet wird, ist ein Irrthum. Vergl. Rokewood, Notes, p. 114.
2 ) Diess war Heinrich’s II. gewöhnlicher Schwur. Vergi. Vermischte Schriften Bd. 3,
S. 142. Andere Beispiele bei Rokewood, Notes pag. 115.
3 ) S. Rokewood, Notes, pag. 115.