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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Phillips

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zu  grosser  Ehre  des  Klosters  gereichen,  wenn  es  Gott  gefiele.“
Dem  widersprach  ein  Anderer:  „Nicht  eine  Ehre,  sondern  eine
Bürde  wäre  ein  Mann,  der  in  Speise  und  Getränk  wählerisch  ist,
der  viel  zu  schlafen  für  eine  Tugend  erachtet,  der  viel  auszugeben
und  wenig  zu  erwerben  weiss,  der  schnarcht,  wenn  Andere  wachen,
der  immer  im  Überflüsse  leben  will  und  sich  nicht  darum  kümmert,
ob  die  Schulden  von  Tag  zu  Tag  anwachsen,  noch  wie  die  Ausgaben
bestritten  werden  können,  der  Mühe  und  Arbeit  hasst,  unbekümmert
ob  ein  Tag  geht  und  ein  anderer  kommt;  ein  Mann,  der  Schmeichler
und  Lügner  liebt  und  begünstigt;  ein  Mann  anders  im  Wort,  anders
im  Werk.  Vor  einem  solchen  Prälaten  bewahre  uns  Gott!“  Man  sollte
meinen  hierin  einige  Züge  aus  dem  Porträt  des  Sacrista  Wilhelm
wiederzufinden.  Darauf  sprach  ein  Anderer  zu  Gunsten  dessen,  den  er
zu  begleiten  pflegte:  „Jener  Mann  ist  weiser,  als  wir  Alle,  in  kirchlichen ­
  sowohl,  als  in  weltlichen  Dingen;  ein  Mann  tüchtig  im  Rath,
streng  in  der  Ordnung,  wissenschaftlich  gebildet  und  beredt  und  von
stattlicher  Gestalt;  ein  solcher  Prälat  würde  für  unsere  Kirche  eine
Zierde  sein“.  Dagegen  wurde  eingewendet:  „Das  ist  wohl  wahr,
wenn  er  in  völlig  sicherem  und  bewährten  Leumund  stünde;
sein  Ruf  schwankt;  das  Gerücht  lügt  vielleicht,  vielleicht  auch  nicht,
und  obwohl  jener  Mann  klug  ist,  demüthig  im  Capitel,  andächtig
beim  Chorgebet,  streng  im  Kloster  wenn  er  sich  im  Kloster
aufhält,  so  hat  er  es  doch  in  der  Gewohnheit,  dass,  wenn  er  einem
Hofe  vorsteht,  er  sehr  leicht  sich  erzürnt,  die  Mönche  gering  achtet,
Laien  begünstigt  und  wenn  er  einmal  zornig  ist,  einem  Bruder  kaum
ein  Wort  von  freien  Stücken  sagt,  ja  selbst  dann  nicht  wenn  er
befragt  wird.“  Jocelin  berichtet  dann  weiter,  dass  er  vornommen
habe,  wie  Manche  einen  Bruder  verwarfen,  weil  er  ein  wenig  in
seiner  Sprache  behindert  war;  sie  sagten  von  ihm  „er  habe  einen
Kloss  oder  Treber  im  Munde,  wenn  er  sprechen  solle“.  „Ich  aber“,
sagt  er  weiter,  „war  damals  noch  jung  und  sprach  wie  ein  Jüngling.
Niemandem,  meinte  ich,  würde  ich  meine  Stimme  zum  Abte  geben,
der  nicht  etwas  von  der  Dialektik  verstünde  und  das  Wahre  vom
Falschen  zu  unterscheiden  wüsste.“  Einer  aber,  der  sich  für  sehr
gescheidt  hielt,  sprach:  „einen  thörichten  und  einfältigen  Mann
wolle  uns  der  allmächtige  Gott  zum  Abte  geben,  damit  er  es  nöthig
hat,  sich  von  uns  leiten  zu  lassen“.  So  vernahm  ich  auch,  sagt
Jocelin,  dass  ein  eifriger,  gebildeter  Mann,  ausgezeichnet  durch
            
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