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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.

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würdige  Persönlichkeit;  er  weiss  gut  Bescheid  mit  der  Ordnung
und  den  Gebräuchen  des  Klosters;  zwar  ist  er  kein  solcher  Gelehrter, ­
  wie  manche  Andere,  dennoch  könnte  er  tauglich  zum  Abte  sein-Abt
  Ording  war  auch  kein  wissenschaftlich  gebildeter  Mann  und  doch
war  er  ein  guter  Abt  und  hat  mit  Weisheit  das  Kloster  regiert.
Auch  liest  man  in  den  Fabeln,  dass  es  den  Fröschen  zuträglicher
war,  sich  einen  Baumstumpf,  auf  den  sie  sich  verlassen  konnten  zum
Könige  zu  wählen,  als  die  Schlange,  die  giftig  zischte  und  nach  dem
Zischen  die  Unterworfenen  auffrass“.  Dagegen  sprach  ein  Anderer:
„Wie  kann  diess  geschehen?  wie  kann  Einer,  der  in  den  Wissenschaften ­
  nicht  zu  Hause  ist,  im  Capitel  einen  Vortrag  oder  an  Festtagen ­
  dem  Volke  eine  Predigt  halten?  wie  soll  der,  welcher  die
Schrift  nicht  kennt,  sich  auf  das  Binden  und  Lösen  verstehen?  denn
die  Leitung  der  Seelen  ist  die  Kunst  der  Künste  und  die  Wissenschaft ­
  der  Wissenschaften.  Ferne  sei  es,  dass  in  der  Kirche  des
heiligen  Edmund  eine  stumme  Statue  aufgerichtet  werde,  während
es  doch  viele  gebildete  und  eifrige  Männer  an  derselben  gibt“.  Wiederum ­
  sagte  ein  Anderer:  „Jener  Bruder  ist  gebildet,  beredt  und
vorsichtig,  streng  iri  der  Ordnung,  hat  dem  Convent  auch  viel  Liebe
erwiesen,  und  manches  Ungemach  wegen  der  Güter  des  Klosters
ertragen;  er  ist  würdig,  Abt  zu  werden“.  Dagegen  ein  Anderer  die
Litanei  nachahmend:  „Vor  guten  Clerikern  bewahre  uns,  o  Herr!  dass
Du  uns  vor  norfolkischen  Händelsuchern  bewahren  wollest  *,  wir  bitten ­
  dich  erhöre  uns!“  Hierauf  liess  ein  Anderer  sich  also  vernehmen:
„Jener  Bruder  ist  ein  guter  Haushalter;  das  zeigt  sich  in  seiner
Verwaltung,  aus  den  Höfen,  die  er  gut  erhalten,  aus  den  Bauten  und
Reparaturen,  die  er  gemacht  hat.  Er  kann  gut  arbeiten  und  das
Kloster  vertheidigen,  auch  ist  er  einigermassen  gebildet,  wenn  gleich
vieles  Wissen  ihm  nicht  den  Kopf  angreift“.  Darauf  wurde  erwiedert:
„Gott  behüte,  dass  ein  Mensch,  der  nicht  lesen,  nicht  singen,  noch
das  göttliche  Officium  feiern  kann,  dass  ein  solch’  unredlicher  und
ungerechter  Mensch,  einer  der  die  Armen  schindet,  Abt  werde!“
Wiederum  hiess  es:  „Aber  jener  Bruder  ist  ein  wohlwollender  Mann,
leutselig  und  liebenswürdig,  gebildet  und  beredt,  auch  gefällig  in
seinem  Aussern,  in  Gang  und  Geberden,  wird  geliebt  von  Vielen
sowohl  im  Kloster  als  auch  aussen;  ein  solcher  Mann  würde  als  Abt

1 )  S.  oben  V.  S.  Iö5.
Sitzb.  .1.  ptiil.-hist.  CI.  XLVHI.  Bd.  I.  Hft.

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