Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

156

Phillips

Früchte.  Es  war  das  Ganze  ein  gefahrvolles  Unternehmen,  da
jeder  Cleriker,  welcher  Briefe  des  rechtmässigen  Papstes  bei  sich
führte,  besorgt  sein  musste,  yon  dessen  Gegnern  gefangen,  verstümmelt ­
  oder  gar  getödlet  zu  werden.  Samson  gab  sich  auf  der
ganzen  Reise  für  einen  Schotten  aus  und  Hess  sich  auch  als  solchen
ausspotten,  wenn  er  seinen  Stab  gleich  einem  Wurfspiesse  (schottisch
Gaveloc)  hinschleuderte  und  dabei  nach  Sitte  der  Schotten  allerhand
Scheltworte  ausstiess.  Wenn  Jemand  ihn  fragte:  wer  er  sei,  antwortete ­
  er  Nichts  weiter  als:  „Hule,  viele  Rome,  turne  Cantwereberei“,
  was  wohl  heissen  soll:  „reise  nach  Rom  und  kehre  nach
Canterbury  zurück“  Worte,  die  so  geläufig  auch  den  Italienern
in  ihrem  Verbum  das  —  rebbero  ist,  ihnen  doch  sehr  unverständlich
geblieben  sein  müssen.  Samson  wurde  indessen  trotz  der  von  ihm
angenommenen  Rolle  doch  einmal  von  dem  Burgmann  eines  Castells
gefangen  und  bekam  dabei  die  Worte  zu  hören:  „Dieser  Herumtreiber, ­
  welcher  sich  für  einen  Schotten  ausgibt,  ist  ein  Spion  oder  er
hat  Briefe  des  falschen  Papstes  Alexander  bei  sich!“  Man  visitirte
ihn  darauf  am  ganzen  Leibe,  doch  wusste  Samson  sich  gut  zu  helfen; ­
  in  seinem  ledernen  Sacke  hatte  er  das  päpstliche  Schreiben
unter  einem  Becher  verborgen,  und  es  gelang  ihm  dasselbe  mit  dem
Becher  gleichzeitig  herauszunehmen,  so  dass  er,  indem  erdenseiben
in  die  Höhe  hob,  das  Schreiben  mit  der  Hand  zudecken  konnte.  Auf
diese  Weise  kam  er  davon,  aber  man  hatte  ihn  übrigens  ganz  ausgeplündert, ­
  so  dass  er  nunmehr  durch  Betteln  sich  weiter  forthelfen
musste.  Als  er  aber  nach  Hause  kam,  vernahm  er  zu  seiner  Betrübniss,
  dass  die  Kirche  von  Woolpit  dem  aus  der  Leidensgeschichte
des  heiligen  Thomas  Becket  hinlänglich  bekannten  Gottfried  Ridell
  gegeben  war.  Der  Abt  Hugo,  welcher  diess  Unrecht  begangen
hatte,  war  nun,  wie  es  öfters  geht,  auf  den  unschuldigen  Samson,
der  das  Breve  zu  Gunsten  des  Klosters  brachte,  höchlich  erzürnt
so  dass  dieser  sich  nicht  vor  ihm  blicken  lassen  durfte;  er  verbarg
sich  eine  Zeit  lang  hinter  dem  Schreine  des  heiligen  Edmund.  Als  er
dann  aus  seiner  Zufluchtsstätte  herauskam,  sprach  Niemand  mit  ihm;
der  Abt  aber  Hess  ihm  durch  einen  Diener  Fesseln  anlegen  und  einsperren; ­
  dann  schickte  er  ihn  auf  längere  Zeit  nachAcra  in  Norfolk.

i)  Carl  y  sie,  Past  and  Present,  pag\  96  note.  meint,  es  könne  heissen:  „Rome
forever,  Canterbury  not.“
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.