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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.

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Dem  jungen  Jocelin,  damals  noch  Noviz,  war  es  sehr  aufgefallen, ­
  dass  auch  Samson,  der  durchaus  klösterlich  und  nicht  nach
der  Verwaltung  von  Gütern  begierig  war,  auch  Gott  mehr  fürchtete
als  die  Menschen,  ebenfalls  geschwiegen  hatte.  Er  fasste  sich  daher
ein  Herz  und  redete  Samson  darauf  an;  dieser  erwiederte  ihm  gelassen: ­
  „Mein  Sohn,  ein  verbranntes  Kind  scheut  das  Feuer“.  Nachdem
er  dann  an  das  vorhin  erwähnte  Beispiel  des  verbannten  Priors  und
anderer  Conventualen  erinnert  hatte,  fuhr  er  fort:  „Auch  ich  bin  eingesperrt ­
  und  dann  nach  Acra  zur  Strafe  geschickt  worden,  weil  ich
zum  Besten  des  Klosters  gegen  die  Meinung  des  Abtes  gesprochen
hatte  *.  Diess  ist  die  Stunde  der  Finsternisse;  diess  ist  die  Stunde,  wo
die  Schmeichler  herrschen;  ihre  Macht  ist  gekräftigt  und  wir  vermögen ­
  Nichts  gegen  sie.  Man  muss  diess  zurZeit  in  sich  verschliessen,
Gott  wird  Zusehen  und  richten!“
Dreiundzwanzig  Jahre  hatte  Abt  Hugo  dem  Kloster  vorgestanden,
als  er  eine  Wallfahrt  zu  dem  Grabe  des  heiligen  Thomas  von  Canterbury
  zu  unternehmen  gedachte  2 .  Er  trat  dieselbe  auch  wirklich
an,  that  aber  in  der  Nähe  von  Bochester  einen  unglücklichen  Fall
mit  seinem  Saumthier,  bei  welchem  ihm  der  Schenkel  aus  dem  Gelenke ­
  ging.  Ärztliche  Hilfe  fehlte  zwar  nicht,  sie  trug  aber  mehr  zu
seiner  Qual,  als  zu  seiner  Genesung  bei.  Man  legte  ihn  auf  eine
Bahre,  die  von  Pferden  getragen  wurde,  und  brachte  ihn  nach  St.  Edmund ­
  zurück.  Hier  mit  allen  Ehren  empfangen,  stand  er  doch  nicht
mehr  vom  Krankenlager  auf;  es  überfiel  ihn  ein  Tertianfieber,  dessen
viertem  Access  er  am  15.  November  1080  erlag.  Abgesehen  von
seinem  körperlichen  Leiden  erging  es  dem  armen  Manne  noch  recht
schlecht.  War  es  schon  sonst  vorgekommen,  dass  er  für  sich  nichts
zu  essen  hatte,  ausser  was  er  sich  erborgte 3 ,  so  wurde  er,  als  es
zum  Sterben  kam,  noch  bei  Lebzeiten  von  seinen  Dienern,  nach  urgermanischer
  Sitte,  völlig  ausgeplündert 4 ,  so  dass  in  seinem  Hause  nichts
mehr  vorgefunden  wurde,  als  die  Dreifüsse  und  die  Tische,  die
nicht  fortgeschafft  werden  konnten  5 .  Kaum  blieben  dem  Sterbenden

S.  unten  V.  S.  ISS.  Vergl.  auch  J  o  c  e  1  i  n  png.  )3.
2 )  Jocelin  pag.  3-3
 )  Jocelin  pag.  30.
4 )  Ganz  ähnlich  war  es  hei  dem  Tode  Wilhelm  des  Eroberers  zugegangen.  S.  Orderic.
Vital.  Hist,  eceles.  P.  III.  Lib.  VII.  cap.  13.  (Mignc,  Tom.  CLXXXVJIJ.  col.  332).
5 )  J  o  c  e  1  i  n  p.  6.
            
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