Samson von Tottington, Abt von St. Edmund. 125
mit vielen Miniaturen geziert, ist eines der schönsten von allen,
welche das britische Museum bewahrt i .
Um aber wieder auf Abbo von Fleury zurückzukommen, so begreift
sich leicht das lebhafte Interesse, welches der gelehrte Abt
für den königlichen Glaubenshelden empfand. Bevor er England
verliess, hatte er noch Gelegenheit einige Zeit in der Umgebung des
heiligen Dun st an, welcher den erzbischöflichen Stuhl von Canterbüry
zierte, zu verweilen. Dunstan hatte es im Gebrauche, am
Abende einen Kreis von Freunden um sich zu versammeln und sich
mit ihnen durch Erzählung und Vortrag in lateinischer und angelsächsischer
Sprache zu unterhalten. Überhaupt scheint derselbe
eine gewisse Vorliebe für Sagen und Geschichten gehabt zu haben,
denn als er sich noch als Edelknabe am Hofe König Aethelstan's
(924—940) aufhielt, wurde er sogar wegen seines grossen Wohlgefallens
an heidnischen Sagen und Liedern, die er auch wohl dem
Könige zur Harfe vorsang, verdächtigt und verleumdet 3 . In dieser
Zeit nun hatte ein alter Schildknappe des heiligen Edmund die Lebensgeschichte
desselben dem Könige Aethelstan und seinem Hofe erzählt,
und Dunstan sie hier vernommen; er konnte daher seinen Gästen
getreue Mittheilung davon machen 3 . Allerdings muss hiebei ein
sehr hohes Alter des gedachten Knappen vorausgesetzt werden 4 ,
da Edmund im Jahre 870 den Märtyrertod erlitt, Aethelstan aber
erst vierundfünfzig Jahre später den Thron bestieg. Dazu kommt,
dass Dunstan wahrscheinlich nur im ersten Regierungsjahre Aetlielstan’s
sich an dessen Hofe aufhielt, den er wegen jener oben erwähnten
Verleumdung, die sich sogar bis auf Zauberei verstiegen hatte,
verliess; es waren daher damals, seit Dunstan jenen Knappen vernommen,
mehr als sechzig Jahre verflossen. — Abbo, nach Fleury heimgekehrt,
verfasste auf Bitten seiner Mönche die obengenannte Schrift,
1 ) ßiblioth. Harlej. Cod. 2278.— Vergl. Dugdale, Mönast. Anglic. Loud. 1840.
Tom. III. p. 99.
2 ) ßritferti 8. Dunslani Vita. cap. i. n. 6. (Migne, Tom. CXXXIX. col. 1429).
Vergl. noch Osberni Vita S. Dunstani. cap. 9. (Migne, Tom. CXXXVII. col. 421.)
cap. 11. p. 422. Britfert I. c. cap. 2. col. 1435. sagt von dein Instrument: cithara,
quam lingua paterna har pam voeamus.
3 ) Abbo I. c. Praef. col. 307.
4 ) Doch nicht ein so hohes Alter, wie jenem Schildknappen KaiTs des Grossen, den das
A uc t a r. Cr e in is f. noch das Jahr 1138 erleben lässt. (Pertz, Mouiun. Germ. hist.
Tom. XI. p. 334). — S. vermischte Schriften, ßd. 3. S. 429. Note 133.