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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Samson  von  Tottington,  Abt  von  St.  Edmund.  125
mit  vielen  Miniaturen  geziert,  ist  eines  der  schönsten  von  allen,
welche  das  britische  Museum  bewahrt  i .
Um  aber  wieder  auf  Abbo  von  Fleury  zurückzukommen,  so  begreift ­
  sich  leicht  das  lebhafte  Interesse,  welches  der  gelehrte  Abt
für  den  königlichen  Glaubenshelden  empfand.  Bevor  er  England
verliess,  hatte  er  noch  Gelegenheit  einige  Zeit  in  der  Umgebung  des
heiligen  Dun  st  an,  welcher  den  erzbischöflichen  Stuhl  von  Canterbüry
  zierte,  zu  verweilen.  Dunstan  hatte  es  im  Gebrauche,  am
Abende  einen  Kreis  von  Freunden  um  sich  zu  versammeln  und  sich
mit  ihnen  durch  Erzählung  und  Vortrag  in  lateinischer  und  angelsächsischer ­
  Sprache  zu  unterhalten.  Überhaupt  scheint  derselbe
eine  gewisse  Vorliebe  für  Sagen  und  Geschichten  gehabt  zu  haben,
denn  als  er  sich  noch  als  Edelknabe  am  Hofe  König  Aethelstan's
(924—940)  aufhielt,  wurde  er  sogar  wegen  seines  grossen  Wohlgefallens ­
  an  heidnischen  Sagen  und  Liedern,  die  er  auch  wohl  dem
Könige  zur  Harfe  vorsang,  verdächtigt  und  verleumdet 3 .  In  dieser
Zeit  nun  hatte  ein  alter  Schildknappe  des  heiligen  Edmund  die  Lebensgeschichte ­
  desselben  dem  Könige  Aethelstan  und  seinem  Hofe  erzählt,
und  Dunstan  sie  hier  vernommen;  er  konnte  daher  seinen  Gästen
getreue  Mittheilung  davon  machen 3 .  Allerdings  muss  hiebei  ein
sehr  hohes  Alter  des  gedachten  Knappen  vorausgesetzt  werden 4 ,
da  Edmund  im  Jahre  870  den  Märtyrertod  erlitt,  Aethelstan  aber
erst  vierundfünfzig  Jahre  später  den  Thron  bestieg.  Dazu  kommt,
dass  Dunstan  wahrscheinlich  nur  im  ersten  Regierungsjahre  Aetlielstan’s
  sich  an  dessen  Hofe  aufhielt,  den  er  wegen  jener  oben  erwähnten ­
  Verleumdung,  die  sich  sogar  bis  auf  Zauberei  verstiegen  hatte,
verliess;  es  waren  daher  damals,  seit  Dunstan  jenen  Knappen  vernommen, ­
  mehr  als  sechzig  Jahre  verflossen.  —  Abbo,  nach  Fleury  heimgekehrt,
  verfasste  auf  Bitten  seiner  Mönche  die  obengenannte  Schrift,

1 )  ßiblioth.  Harlej.  Cod.  2278.—  Vergl.  Dugdale,  Mönast.  Anglic.  Loud.  1840.
Tom.  III.  p.  99.
2 )  ßritferti  8.  Dunslani  Vita.  cap.  i.  n.  6.  (Migne,  Tom.  CXXXIX.  col.  1429).
Vergl.  noch  Osberni  Vita  S.  Dunstani.  cap.  9.  (Migne,  Tom.  CXXXVII.  col.  421.)
cap.  11.  p.  422.  Britfert  I.  c.  cap.  2.  col.  1435.  sagt  von  dein  Instrument:  cithara,
quam  lingua  paterna  har  pam  voeamus.
3 )  Abbo  I.  c.  Praef.  col.  307.
4 )  Doch  nicht  ein  so  hohes  Alter,  wie  jenem  Schildknappen  KaiTs  des  Grossen,  den  das
A  uc  t  a  r.  Cr  e  in  is  f.  noch  das  Jahr  1138  erleben  lässt.  (Pertz,  Mouiun.  Germ.  hist.
Tom.  XI.  p.  334).  —  S.  vermischte  Schriften,  ßd.  3.  S.  429.  Note  133.
            
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