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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Phillips

Kloster  1  zu  wirken.  Nicht  gar  ferne  davon  befand  sich  die  Stätte,
an  welcher  Edmund,  der  König  von  Ostanglien,  als  christlicher
Held  für  seinen  Glauben  am  20.  November  des  Jahres  870  sein  Blut
vergossen  hatte.  Der  Dänenfürst  In  gu  ar,  den  die  nordische  Sage
als  Ragn  ar  Lodbrog's  Sohn  erscheinen  lässt 3 ,  war  mit  einem
gewaltigen  Schiffsheere  nach  Ostanglien  gekommen;  eine  Schlacht,
welche  er  dem  Könige  lieferte,  blieb  unentschieden.  In  seinem
Übermuthe  forderte  er  Edmund  auf,  sich  seiner  Herrschaft  zu  unterwerfen ­
  und  dem  Christenthume  abzuschwören.  Auf  dessen  Weigerung
überfiel  ihn  Inguar  heimtückischer  Weise 3  hei  Eglesdane,  liess  ihn
an  einen  Baum  binden,  und,  einem  heiligen  Sebastian  gleich,  von  einem
Hagel  von  Pfeilen  durchbohren,  endlich  aber  nach  langer,  grausamer
Qual  ihm  das  Haupt  abschlagen 4 .  Zum  Gedächtnisse  daran  sangen
die  nachmaligen  Mönche  von  St.  Edmund  an  dem  Tage  des  Heiligen
und  hei  anderen  Gelegenheiten:
Martyri  adhuc  palpitanti  sed  Christum  confitenti  iussit  Hinguar
  caput  auferri  sicque  Eadmundus  Martyrium  consummavit  et
ad  Deum  exultans  vadit 5 .
Das  Leben  und  der  Tod  Edmund’s  bildet  eine  interessante  Episode ­
  in  der  sonst  so  armen  Geschichte  des  Königreiches  Ostanglien.
Jenes  hat  im  fünfzehnten  Jahrhunderte  eine  poetische  Darstellung
durch  John  Lydgate,  einen  Mönch  von  St.  Edmund,  gefunden,
welcher  dieselbe  König  Heinrich  VI.  verehrte.  Das  Manuscript,

*)  Iiistoria  Kam  es.  sive  über  de  fundatione  et  benefactoribus  coenobii  Rames.  auctore
anonyino  (Gale,  Script,  rer.  Britann.  Tom.  II.  p.  385  sqq.)  —  Von  Abbo  sagt  Order.
Vital.  Hist,  eccles.  Lib.  IV.  cap.  9.  (Migne,  Tom.  CLXXXVIII.  col,  324):  Horum
(Dunslani  et  Oswaldi)  precibus  Floriacensis  Abbo  sapiens  atque  religiosus  coenobifa
missus  est  trans  tnare  et  monasticum  usum  docuit  Ramesiae  et  in  aliis  monasteriis
Angliae  sicuti  tenebatur  in  Gallia  eodem  tempore.
3)  Vergl.  Lappen!»  erg,  Gescbiebte  von  England.  Bd.  1.  S.  299.
3 )  Eine  Sage  erzählt,  ein  junges  Ehepaar  habe  den  Aufenthalt  des  Königs,  der  sich  unter
einer  Brücke  versteckt  haben  soll,  den  Dänen  verrathen;  man  erkannte  ihn  an  seinen
goldenen  Sporen.  Die  Brücke  hiess  seither  „Goldbridge“  und  es  lag  ein  Fluch  auf  ihr
für  alle  jungen  Ehegatten,  welche  dieselbe  passirten.  S.  Suek  ling,  SufTolk.  Vol.  1.
p.  XXII.
4 )  Abbo,  Passio  S.  Eadmundi.  cap.  10.  col.  514.  —  Willi.  Malme  sbur.  I.  c.  Lib.  II.
col.  1520.—  De  gest.  Reg.  Anglor.  Lib.  II.  p.  120.  (Migne  I.  c.  col.  1079.)  —  Vergl.
Lappenberg  a.  a.  0.  S.  306.
5 )  S.  über  ein  Manuscript  aus  der  ersten  Hälfte  des  zwölften  Jahrhunderts,  welches  dies
Responsorium  enthält:  Rokcwood,  Notes  (s.  unten  II.  S.  130)  p.  115.
            
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