Wie kiim die Stadt Villingen vom Hause Fiirstenheig au Österreich? 113
auch auf eine von Johann Michael Griininger J. U. I). verfasste Abhandlung,
aus welcher hervorgehen soll, dass sich in Villingen eine
constante Tradition, „wiewohl ohne schriftlichen Grund“, von der
selbstbewirkten Loskaufung gebildet habe. Grüninger war vom Jahre
1680—1710 Stadtschreiber in Villingen. Er kannte das Archiv daselbst
sehr genau, denn er hat das noch vorhandene Repertorium
von 1686 angefertigt. Seiner Versicherung vom Vorhandensein einer
Tradition wird man wol Glauben beimessen müssen. Nach Kefer's
Angabe hätte die Bürgerschaft, um das ihr fehlende Geld zu beschaffen,
denweiblichen Schmuck, Gürtel, Brust- und Halsketten, eingeschmolzen
und ausgemünzt. Noch werde das Haus bezeichnet, in
welchem dieses geschehen sei, nämlich des Valentin Ziegler Schmiede,
in der niederen Strasse Nr. 288. Dagegen gibt eine, ebenfalls vonKefer
angezogene, im Jahre 1748 verfasste historische „Deductio Antiquitatis
Fürstenbergo-Villingianae“ zu , dass die Sage vom Ausmünzen des
Geschmeides und den zu Haslach im Thurme verschmachteten i) Bürgern
der Stadt Villingen, eine gänzlich unfundirte Tradition sei. Mau
sieht hieraus, wie die Sage an bestimmte Thatsachen anknüpft, aber
dieselben, bis zur völligen Entstellung der Wahrheit, erweitert und
umgestaltet. Eben so wie der Sage von der harten Behandlung der
Gefangenen zu Haslach wenigstens die urkundlich sichere Thatsache
einer an dem genannten Orte von Villinger Bürgern erstandenen gefänglichen
Haft zu Grunde liegt, ebenso scheint auch in der That
der Sage vom Loskaufe ein bestimmtes, aber nicht mehr ganz deutlich
erkennbares Factum zu Grunde zu liegen.
Die mehrfach citirte Villinger Chronik 2 ) gibt an, die Stadt
habe sieb im Jahre 1325 (rectius 1326) um 41000 Gulden gelöst.
Diese Summe, unverhältnissmässig gross für die Einkünfte, welche die
Grafen aus Villingen zogen, stimmt so ziemlich mit den im Kaufbriefe
genannten 7500 Mark, denn im Jahre 1346 zahlte.man in Villingen
für 40 Mark Silbers 210 Gulden guter gewogener Florin 3 ).
Nun ergab sich aber die Summe von 7500 Mark nicht allein aus
dem Verkaufe von Villingen, sondern auch aus der Yeräusserung der
Burg Warenberg und der Dörfer Klengen, Beckhofen, Grüningen
1 ) Davon, dass die Bürger hätten verschmachten müssen, weiss Vitoduran nichts.
'■) Mone, Quellensammlung 2, 82.
3 ) Abschrift einer Quittung in Kefer’s Sammlung.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. XLVIJI. Bd. I. Hit.
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