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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Wie  kiim  die  Stadt  Villingen  vom  Hause  Fiirstenheig  au  Österreich?  113

auch  auf  eine  von  Johann  Michael  Griininger  J.  U.  I).  verfasste  Abhandlung, ­
  aus  welcher  hervorgehen  soll,  dass  sich  in  Villingen  eine
constante  Tradition,  „wiewohl  ohne  schriftlichen  Grund“,  von  der
selbstbewirkten  Loskaufung  gebildet  habe.  Grüninger  war  vom  Jahre
1680—1710  Stadtschreiber  in  Villingen.  Er  kannte  das  Archiv  daselbst ­
  sehr  genau,  denn  er  hat  das  noch  vorhandene  Repertorium
von  1686  angefertigt.  Seiner  Versicherung  vom  Vorhandensein  einer
Tradition  wird  man  wol  Glauben  beimessen  müssen.  Nach  Kefer's
Angabe  hätte  die  Bürgerschaft,  um  das  ihr  fehlende  Geld  zu  beschaffen, ­
  denweiblichen  Schmuck,  Gürtel,  Brust-  und  Halsketten,  eingeschmolzen ­
  und  ausgemünzt.  Noch  werde  das  Haus  bezeichnet,  in
welchem  dieses  geschehen  sei,  nämlich  des  Valentin  Ziegler  Schmiede,
in  der  niederen  Strasse  Nr.  288.  Dagegen  gibt  eine,  ebenfalls  vonKefer
angezogene,  im  Jahre  1748  verfasste  historische  „Deductio  Antiquitatis
Fürstenbergo-Villingianae“  zu  ,  dass  die  Sage  vom  Ausmünzen  des
Geschmeides  und  den  zu  Haslach  im  Thurme  verschmachteten  i)  Bürgern ­
  der  Stadt  Villingen,  eine  gänzlich  unfundirte  Tradition  sei.  Mau
sieht  hieraus,  wie  die  Sage  an  bestimmte  Thatsachen  anknüpft,  aber
dieselben,  bis  zur  völligen  Entstellung  der  Wahrheit,  erweitert  und
umgestaltet.  Eben  so  wie  der  Sage  von  der  harten  Behandlung  der
Gefangenen  zu  Haslach  wenigstens  die  urkundlich  sichere  Thatsache
einer  an  dem  genannten  Orte  von  Villinger  Bürgern  erstandenen  gefänglichen ­
  Haft  zu  Grunde  liegt,  ebenso  scheint  auch  in  der  That
der  Sage  vom  Loskaufe  ein  bestimmtes,  aber  nicht  mehr  ganz  deutlich ­
  erkennbares  Factum  zu  Grunde  zu  liegen.
Die  mehrfach  citirte  Villinger  Chronik 2 )  gibt  an,  die  Stadt
habe  sieb  im  Jahre  1325  (rectius  1326)  um  41000  Gulden  gelöst.
Diese  Summe,  unverhältnissmässig  gross  für  die  Einkünfte,  welche  die
Grafen  aus  Villingen  zogen,  stimmt  so  ziemlich  mit  den  im  Kaufbriefe ­
  genannten  7500  Mark,  denn  im  Jahre  1346  zahlte.man  in  Villingen ­
  für  40  Mark  Silbers  210  Gulden  guter  gewogener  Florin 3 ).
Nun  ergab  sich  aber  die  Summe  von  7500  Mark  nicht  allein  aus
dem  Verkaufe  von  Villingen,  sondern  auch  aus  der  Yeräusserung  der
Burg  Warenberg  und  der  Dörfer  Klengen,  Beckhofen,  Grüningen

1 )  Davon,  dass  die  Bürger  hätten  verschmachten  müssen,  weiss  Vitoduran  nichts.
'■)  Mone,  Quellensammlung  2,  82.
3 )  Abschrift  einer  Quittung  in  Kefer’s  Sammlung.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  XLVIJI.  Bd.  I.  Hit.

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